Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1886
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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12 und Christenthums als Gottlosigkeit (s. Zeller, Vortr. u. Abhandl. II 130 f.). Apulejus, da wo er den Gipfelpunkt der Ruchlosigkeit schildern will (Metam. IX 14), fügt zu allem Schändlichsten noch den Glauben an Einen Gott hinzu. Und als Atheist wird der fromme Bischof Polykarp von dem Smyrnäischen Pöbel gemordet. — Xenophanes dagegen ist in alter Zeit niemals der Gottlosigkeit, der Unfrömmigkeit geziehen worden, obgleich er doch gegen den Anthropomorphismus der Volksreligion viel leidenschaftlicher aufgetreten ist, als Anaxagoras es je gethan haben kann. Im Gegentheil erscheint er bisweilen als Vertreter echter Religiosität gegen den Aberglauben der Menge eifernd, wie bei Plutarch (De superst. 13; de Is. 70). Erst in der zweiten Hälfte des zweiten nachchristlichen Jahrhunderts hat Claudius Aelianus neben Diagoras, Hippon und Epikur auch Xenophanes in der Reihe 'unseliger Gottesfeinde5 aufgeführt. Der Widerspruch mit Poseidonios und den sonstigen alten Berichterstattern zeigt aber, dass der kritiklose Compilator wahrscheinlich von Ps.-Aristoteles de Melisso oder dessen Nachbetern irregeführt, sein Verdammungsurtheil über Xenophanes ausgesprochen hat15. Doch Zeller hat seine Ansicht über Xenophanes Theologie nicht als blosse Behauptung ausgesprochen. Er giebt uns (I4 489 Anm. 1) Belege für die Thatsache, dass man die Vielheit göttlicher Wesen leugnen und doch von Göttern in der Mehrheit sprechen könne. Er weist hin auf Heraklits bekannten Ausspruch (fr. 20 Byw.): f keiner der Götter noch der Menschen hat die Welt gemacht*, der doch nichts anderes ausdrücken solle, als 'dass die Welt überhaupt nicht gemacht sei5. Und in einem christlichen Kirchenliede werde sogar Gott 'Gott der Götter* genannt, ohne dass doch der Polytheismus damit anerkannt wäre. — Beachtenswerth, wie diese Ausführungen sind, können sie doch nicht als haltbare Stützen der Zellerschen Ansicht gelten. Die Worte Heraklits zunächst geben uns keinen Aufschluss über den Sinn der Fragmente des Xenophanes; denn Heraklit leugnet ja keineswegs die Existenz der Götter, wie Zeller selbst ausführlich erörtert hat (I4 662f.). Es darf daher nicht als uneigentlicher Ausdruck seiner Ueberzeugung angesehen werden, wenn er erklärt, dass 'keiner der Götter noch der Menschen diese Welt geschaffen habe*. Höchstens könnte man an der Nebeneinanderstellung von Menschen und Göttern Anstoss nehmen. Man