Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1886
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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9 Am Schlüsse des Gedichtes, das in fr. 21 uns vorliegt, mahnt Xenophanes, 'nicht von den Kämpfen der Titanen und Giganten und nicht von den Dingen der Kentauren zu reden, Erdichtungen der Vorzeit, thörichten Fabeln, die keinerlei Nutzen bringen, sondern den Göttern rechte Verehrung immer zu bezeigen’5. Auch hier also jener schroffe Ton der Polemik, den wir aus fr. 6. 7. 19, sowie aus Clemens Alex. str. VII p. 302 Sylb. kennen. Und doch auch hier, wo er mit rücksichtsloser Schärfe gegen die Gebilde der Mythologie als 'Erdichtungen der Vorzeit’, als cthöriehte, nutzlose* Fabeln eifert, die fromme Hinweisung auf die Götter, deren Existenz ihm nach Zeller doch ebensogut ein 7rXaa[1a twv irpoxeptov gewesen sein soll, wie die Existenz der Titanen, Giganten und Kentauren. Und hier keine flüchtige Erwähnung, sondern die ausdrückliche Mahnung, ihnen 'immer rechte Verehrung’ zu weihen. Das kann man doch unmöglich als dichterische Freiheit ansehen, von der Zeller spricht, oder als ein Herabsinken zum Sprachgebrauche des Volkes, das Andere zur Erklärung vorschützen 6. Wohl Niemand, der diese Worte recht erwägt, wird sie als Ausdruck monotheistischer Ueberzeugungen betrachten, die nur in Worten fehlgreift. Auch in fr. 16 wird einer Mehrheit von Göttern unbefangen gedacht. ' Nicht haben Götter ursprünglich die Sterblichen in Allem unterwiesen’, so heisst es hier, c sondern diese haben suchend mit der Zeit das Bessere gefunden’. Befremdend im Munde eines Mono־ theisten ist der Plural 8׳-eot hier doch nicht entscheidend, weil er ex hypothesi gebraucht sein kann. — Von um so grösserer Bedeutung aber ist fr. 14. Dasselbe lautet: 'Und in Klarheit war nie ein Mann kundig und wird nie einer kundig sein dessen, was ich von Göttern7 und was ich von Allem sage’. Diese Worte haben nicht die geringste Schwierigkeit, wenn wir annehmen, Xenophanes sei zwar den unwürdigen Vorstellungen der Volksreligion entgegengetreten, habe richtigere Begriffe über die Götter zu verbreiten gesucht, das Dasein einer Vielheit von Göttern aber nie vollständig geleugnet. Da begreift es sich, dass er die Unzulänglichkeit menseh־ liehen Wissens in Bezug auf Gegenstände hervorhebt, die jenseits aller Erkenntniss liegen. Anders, wenn er Monotheist war. Da kann seine Klage, über die Götter nichts Klares zu wissen, nur die Negation der volksthümlichen Anschauungen von sündhaften, ver־ gänglichen, menschenähnlichen Göttern betreffen. Wer aber die