Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1886
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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8 einzig realen ebenda mit den vielen Göttern verglichen haben, die nach Zellers Ausdruck cnur in der Vorstellung der Menschen existiren,’ d. h. die überhaupt nicht existiren. Neben die nicht realen Götter soll er dann aber wieder die sehr realen Menschen gestellt haben, indem er den alleinigen Gott ‘den grössten unter Göttern und Menschen’ nannte. Ist das wahrscheinlicher als Kerns Ansicht? Muthet diese Auslegung uns nicht mehr zu, als wir dichterischer Freiheit zugestehen dürfen? Ist solche Zuchtlosigkeit oder Nachlässigkeit des Gedankens einem Dichter zuzutrauen, dessen poetische Darstellungsweise sonst niemals den philosophischen Inhalt verdunkelt, der seine kühnen Lehren mit schonungsloser Nacktheit und mit beispielloser Derbheit den Volksmeinungen entgegenstellt? Doch geben wir einen Augenblick zu, was wir nicht zugeben dürfen. Nehmen wir an, Xenophanes habe im ersten Bruchstücke ungenau von einem ' grössten Gotte’, von einem Gotte' neben Göttern und Menschen’ gesprochen, während er in Wirklichkeit die Lehre von der Einzigkeit Gottes habe aussprechen wollen, — die Schwierigkeiten dieser Annahme liegen nicht bloss in den Worten dieses Fragmentes. Aus anderen Fragmenten erheben sich neue Bedenken, die schwer zu beseitigen sind. In drei weiteren durch Sextus und Simplicius geretteten Bruchstücken, die sich wahrscheinlich, wenn auch nicht ohne Zwischenraum, dem ersten anschlossen4, giebt Xenophanes nähere Bestimmungen der höchsten Gottheit. Jede Art der Erkenntniss soll ihr in ihrer Ganzheit zukommen (fr. 2); mit Geisteskraft beherrscht sie das All der Dinge (fr. 3); sie bewegt sich nicht hierhin und dorthin, sondern bleibt immer unbewegt an demselben Orte (fr. 4). Hier, und ausserdem noch ein einziges Mal (fr. 21 v. 13), wird denn von der Gottheit in der Einzahl gesprochen, wie auch andere Dichter und Denker, an deren polytheistischen Ueberzeugungen Niemand zweifelt, bald von •9•eoi bald von tteog oder einem ■9־efov ohne Unterschied sprechen. Wo aber Xenophanes sonst der Gottheit gedenkt, wird überall eine Mehrheit von Göttern genannt. In fr. 5. 6. 7 nun, wo die Ansichten des Volkes und der Dichter angeführt und zurückgewiesen werden, nimmt uns das nicht Wunder. Anders aber steht es mit fr. 14. 16. 21, in denen uns Worte begegnen, die nur im Munde eines Polytheisten einen Sinn haben.