Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1886
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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7 Von ungleich grösserer Bedeutung ist, was Dilthey zur Hebung der von ihm klar erkannten Schwierigkeit beibringt. Er betont (Ein!, in die Geistesw. I S. 191), dass die ewige Gottheit für Xenophanes nur Eine sein konnte, weil emit dem Bewusstsein von der Macht und Vollkommenheit der Gottheit eine Mehrheit von Göttern nicht verträglich ist.3 Aber c in dem persönlichen Bedürfniss* des Xenophanes sollen e die Götter noch fortbestanden haben3 (das. S. 190). Man wird auch dieser Lösung nicht zustimmen dürfen. Denn nichts berechtigt uns, die uns bekannten Xenophaneischen Philosopheme in Lehren zu scheiden, die wissenschaftlicher Erkenntniss, und in solche, die 0persönlichem Bedürfnisse5, das heisst doch wohl, die den Anforderungen des Gemüthes ihren Ursprung verdanken. Diesen Gegensatz mag man in der von mannigfachen Affecten erregten und entgegengesetzten Strömungen nachgebenden Zeit der Sophisten und Alexandriner suchen, nicht aber bei den kühnen, vor keiner Gonsequenz zurückschreckenden älteren Denkern. Am wenigsten bei Xenophanes. Seine leidenschaftliche Wahrheitsliebe, seine ungestüme Zurückweisung religiöser und gesellschaftlicher Vorurtheile ist nicht vereinbar mit schwächlicher Hinneigung zu Lehren, die er theoretisch überwunden und irgend welchen gemüthlichen Regungen zu Liebe gutgeheissen haben soll. Doch wenn diese Erklärungen als stichhaltig nicht anerkannt werden können und von Zeller theils ausdrücklich theils durch vielsagendes Schweigen zurückgewiesen werden, wie vereinigt da Zeller selbst seine Ueberzeugung von Xenophanes5 reinem Monotheismus mit den Worten des ersten Fragmentes, die ein so entschieden polytheistisches Gepräge tragen? Er löst die Schwierigkeit (I4489 Anm. 1) in folgender Weise: cDie vielen Götter, unter denen Einer der höchste ist, brauchen nicht nothwendig als real gedacht zu sein, sondern wenn sie nach der Ansicht des Xenophanes auch nur in der Vorstellung der Menschen existirten, konnte der wahre Gott dennoch, vollends in dichterischem Ausdruck, mit ihnen verglichen und grösser als sie genannt werden. cDer grösste unter Göttern und Menschen5 heisst eben: der absolut grösste.5 Schwerlich wird man dieser Lösung beistimmen. Xenophanes soll gelehrt haben: es giebt nur Einen Gott und keine Vielheit von Göttern, und da, wo er diese Lehre ausspricht, soll er den alleinigen Gott cden grössten der Götter3 genannt, soll ihn, den