Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1886
- Date
- 1886-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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5 Fragmentes aber drängte sich dem gelehrten Manne mit solcher Entschiedenheit auf, dass er ״ die Erklärung abgab (Beitrag zur Darstellung der Philosopheme des Xenophanes S. 4 Anm. 2): Das erste Fragment czeigt, uns den Philosophen noch keineswegs als Monotheisten, was er doch unbestreitbar gewesen ist, sondern als einen Theologen, der an einem die übrigen Götter weit überragenden höchsten Gott festhält5. Um nun aber den Widerspruch zwischen dem Inhalte dieses . Bruchstückes und den vermeintlich Unbestreitbaren5 monotheistischen Anschauungen des Xenophanes zu beseitigen, schlägt Kern einen nicht unbedenklichen Ausweg ein. Er glaubt, eine Wandelung in den Ansichten des Philosophen, ein allmäliges Fortschreiten von polytheistischen Meinungen zur monotheistischen Lehre annehmen zn dürfen. Mit Recht erklärt Zeller diese Annahme für eine in hohem Grade unwahrscheinliche (I4 477 Anm. 3; 489 Anm. 1). Und wenn Kern seinerseits Zeller vorwirft, seinen Widerspruch durch Gründe nicht unterstützt zu haben, so sind solche doch leicht beizubringen. Erstlich hat Zeller selbst (I4 477 Anm. 3) hervorgehoben, dass, um eine Aenderung in Xenophanes5 Ansichten annehmen zu dürfen, doch irgend welche bestimmte Anzeichen oder Zeugnisse für eine solche vorliegen müssten, dass dieselben aber gänzlich fehlen. Ferner kennen wir unter den vorsokratischen Philosophen keinen, dem wir eine allmälige Umwandelung seiner Ansichten nachweisen könnten. Ihnen war die Bildung einer Weltansicht offenbar keine Arbeit, die in jugendlicher Begeisterung leichthin unternommen, gründlicherem Nachsinnen nicht hätte Stand halten können und zu Gunsten besserer Meinungen bald hätte aufgegeben werden müssen. Als reife Frucht eines ganzen Lebens erscheinen uns die Lehren dieser grossen Denker. Darum ist es fast immer nur eine einzige Schrift, in die sie die Summe ihres Denkens und Sinnens, ihrer Erfahrungen und Beobachtungen niederlegen. Xenophanes bildet eine nur scheinbare Ausnahme. Der heimathlose Dichter, der siebenundsechzig Jahre lang in den Städten Griechenlands ruhelos umher schweifte, hat vielerlei geschrieben; aber soviel wir wissen, nur ein einziges philosophisches Lehrgedicht, dem die vielbesprochenen Verse wahrscheinlich entlehnt sind. Nichts berechtigt Kern dazu, anzunehmen, Xenophanes habe in diesem seinem philosophischen Lehrgedichte die alte Ueberlieferung von der Vielheit