Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1886-01-01 · 1886 · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1886
Date
1886-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2720904-2720999--05-2723904
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

4 Aus einem beklagenswert!! dürftigen Reste von Bruchstücken und einer Tteihe von sehr verschiedenartigen und ungleichwerthigen Berichten alter Schriftsteller schöpfen wir unsere Kenntniss der Xenophaneischen Philosophie. Je weiter wir uns von der Lebenszeit des Xenophanes entfernen, desto reichlicher fliessen die Quellen und desto unzuverlässiger werden sie. Keiner der alten Berichterstatter ist dem Verdachte theils unabsichtlicher theils absichtlicher Missdeutung der schwer verständlichen Lehre ganz enthoben; an die echten Urkunden, an die Fragmente der Schriften des Xenophanes, müssen wir uns daher vor Allem wenden, wenn wir Inhalt und Bedeutung seiner Theologie erkennen wollen. Zum Erweise seiner Ansicht beruft sich Zeller (I4 489) zunächst auf das erste Bruchstück* des Xenophaneischen Lehrgedichtes: £l£ £0£י9׳ £V T£ £0101י9׳ X,al avfrptoTOiat [i£Y1aT0£7 OUT£ §£[ia£ ׳ö’VYJTOtaLV Sjioftbs OUT£ VOY][ia. Diese Verse beweisen allerdings, dass Xenophanes Einen grössten Gott anerkannt hat, aber einen Gott, der doch eben nur der grösste neben anderen Göttern, [tlycaTos Iv Iteotbiv, ist. Das aber war eine alte Lehre, die Xenophanes philosophisch vertieft haben wird, die aber viele Jahrhunderte vor ihm von griechischen Dichtern ausgesprochen worden war, der wir schon bei Homer begegnen, wie sie ihre Wurzeln hoch hinauf in die Urzeit der indogermanischen Völker erstreckt und selbst sogenannten Natur- Völkern nicht fehlt2. Zu den besten Kennern der Xenophaneischen Philosophie gehört Franz Kern, der in zahlreichen werthvollen, wenn auch oft fehl gehenden Untersuchungen die Ueberbleibsel und den Gedankengehalt derselben zu erörtern unternommen hat, und der für die auch von Zeller vertretene monotheistische Auslegung der Bruchstücke wiederholt eingetreten ist. Der wahre Sinn gerade des ersten * Die Bruchstücke des Xenophanes werden nach der Ausgabe Karstens, Bruxellis 1830, die des Parmenides nach der Steins (in Symb. philol. Bonn. 1864), Simplicius’ Commentar zu Aristoteles’ Physik nach ed. Di eis, Berol. 1882 citirt. Wo Zeller ohne weitere Beifügung genannt ist, wird auf seine Philosophie der Griechen verwiesen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.