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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1885-01-01 · 1885 · page 55

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1885
Date
1885-01-01
Page
– (sequence 55)
Language
German
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IRI
…/2720904-2720943--54-2723889
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j Am Versöhnungslage, der auf den 2 g. September fiel, wurde in der Predigt vor der herkömmlichen Seelenfeier das Andenken des verewigten Seminar-Rabbiners Dr. David Joel in Verehrung und Dankbarkeit hervorgehoben. Die Predigt hielt der Prüftmgscandidat Dr. S. Horovitz. Am 30. September legte Dr. Zuckermann den Vorsitz im Lehrer-Collegium, den er seit dem 1. October 1883 geführt hatte, laut § 3 des Regulativs für die Befugnisse des Lehrer-Collegiums vom 3. November 1882, nieder. Am 1. October übernahm der Ünterzeichnete den Vorsitz. An der fast überall von den Glaubensgenossen begangenen Feier des hundertsten Geburtstagsfestes Sir Moses Montefiore/s in Ramsgate (England) am 8. Marcheschwan d. J. (27. October 1884) betheiligte sich das Seminar durch die Uebersendung der nachfolgenden Adresse an den edlen Jubilar: Breslau, im October 1884. Hochzuverehrender Herr! Die Unterzeichneten Vertreter des jüdisch-theologischen Seminars in Breslau, welches die Religion, den Geist und die Wissenschaft des Judenthums zu pflegen und zu lehren bestimmt ist, erkennen es freudig als ihre Pflicht und empfinden aufs lebhafteste das Bedürfniss, Ihnen, hochverehrter Herr, der Sie, erfüllt von echter Gottesfurcht und Nächstenliebe, jederzeit für die Ehre des Judenthums und das Heil seiner Bekenner mit bewunderungswürdiger Kraft und Aufopferung eingetreten sind, zu dem Tage, da Gottes Gnade Ihnen die Vollendung von hundert Lebensjahren gewährt hat, ihre innigsten und herzlichsten Glückwünsche auszusprechen. Es ist eben nicht die ungewöhnliche Zahl der Jahre allein, welche diesen Tag auszeichnet: seine wahre und volle Bedeutung liegt in dem reichen Gehalte, in dem hohen Werthe dessen, was Sie, hochverehrter Herr, in diesem Lebensjahrhundert geleistet und vollbracht haben. Durch eigenes redliches Schaffen und Walten zu hervorragender Stellung gelangt, geschätzt und ausgezeichnet durch die wohlverdiente Gunst Ihrer edlen^ Landesfürstin, unter den Grossen Ihres Landes geehrt und angesehen, bewahrten Sie in Ihrem Innern und bewährten Sie in Ihrem Leben ungeschwächt und unverkürzt Ihre Barmherzigkeit für menschliche Leiden ohne Unterschied der Religion, des Standes und <fer Nationalität, zugleich aber auch Ihre Anhänglichkeit an den Bund der Väter und Ihr warmes Mitgefühl für Ihre Glaubensbrüder. Fand und ehrte so Ihr grosses Vaterland und dessen erlauchtes Königshaus in Ihnen den treuen, opferfreudigen und stets verlässlichen Patrioten, der dem Wohle des Ganzen wie der Xoth des Einzelnen aus seinen reichen Mitteln zu dienen stets gern bereit war: so fand doch zugleich das Wohl und Wehe Ihrer Glaubensgenossen in Ihrem grossen Herzen den lebhaftesten Widerhall. Die Geschichte Israels ist nicht undankbar für Thaten und Leistungen wie die Ihrigen. Es wird unvergessen bleiben, wie Sie bis in Ihr hohes Alter das ganze Gewicht Ihres Einflusses und Ihres Ansehens eingesetzt haben, um die leidenden Brüder vor den Unbilden des immer wieder auftauchenden Glaubenshasses nach Kräften zu schützen. Palästina und Egypten, Syrien und die europäische Türkei, Russland und Rumänien waren

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