Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1885
- Date
- 1885-01-01
- Page
- – (sequence 54)
- Language
- German
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Feier seines neunzigsten Geburtstagsfestes Unter vielen, von *den verschiedensten Seiten ihm dargebotenen Zeichen dankbarer Ehrerbietung und Liebe eine Adresse des Lehrer-Collegiums unseres Seminars überreicht. Dieselbe hatte folgenden Wortlaut: ' ' ׳ Breslau, im August 1884. Hochgeehrter Herr Doctor! Das jüdisch-theologische Seminar in Breslau, welches die Unterzeichneten zu vertreten die Ehre haben, kann es sich nicht versagen, an dem Tage, an welchem Sie vor neunzig Jahren in den Kreis der Lebenden getreten sind, Ihnen seinen? herzlichsten Glückwunsch darzubringen. Die Wissenschaft des Judenthums, welche durch Sie in Deutschland begründet worden ist, verdankt Urnen eine Reihe mustergültiger und formvollendeter Werke, die nicht allein reiche und mannigfaltige Belehrung und Anregung dargeboten, sondern wesentlich die Bahn gebrochen und die Wege gezeigt haben, worauf eine beträchtliche Anzahl jüngerer Schriftsteller in einzelnen Disciplinen Bedeutendes und Verdienstliches geschaffen und ganze Gebiete an- und ausgebaut haben. Wer die literarischen Schöpfungen im Bereiche der jüdischen Wissenscliaft seit den vierziger Jahren bis auf den heutigen Tag überschaut und sich des Reichthums und der Fülle der geistigen Erzeugnisse auf diesem Gebiete in Deutschland, Oesterreich, Frankreich und England erfreut, wird, wenn er gerecht sein will, Alles als eine directe oder indirecte Wirkung Ihres schaffenden Genius, betrachten und anerkennen, wie ja auch das jüdisch-theologische Seminar hier Ihrer Anregung zur Pflege und zum Ausbau der jüdischen Wissenschaft seine Entstehung und sein Dasein verdankt. Diese schriftstellerischen Verdienste, welche Ihnen, sehr verehrter Herr, einen unsterblichen Namen für alle Zeit sichern, sind es aber nicht allein, die den heutigen Tag uns und Ihren zahlreichen Verehrern und Freunden zu einem freudenreichen gestalten. Wir blicken mit nicht geringerem Stolze, mit nicht geringerer Befriedigung auf Ihren, ein ganzes langes Leben hindurch stets bewährten Charakter als Mensch, Staatsbürger und Israelit. Alle Ihre Zeitgenossen,, die Sie näher zu kennen die Ehre und die Freude haben, sind Zeugen Ihrer menschenfreundlichen Gesinnung, Ihrer imbestechlichen Wahrheitsliebe, Ihrer Begeisterung für Recht und Freiheit und Ihrer unwandelbaren Treue für Ihren angestammten Väterglauben und dessen Bekenner. Frei von den Bestrebungen ׳ eitlen Ehrgeizes, ein Feind und Verächter aller niedrigen Gunsterschleichung, aller selbstsüchtigen Berechnung, erhaben über äussere Ehrenerweisungen, Titel und Ehrenzeichen, wandelten Sie während der ganzen Zeit Ihres rastlos schaffenden Lebens gerade, klar und fest die selbstgewählte Bahn freudiger und opferwilliger Hingebung für die Wissenschaft, für die Wohlfahrt Ihrer Mitbürger, für die Ehre Ihrer Glaubensgenossenschaft., Möge es Ihnen noch recht viele Jahre hindurch vergönnt sein, die Früchte Ihres uneigennützigen, segensreichen Wirkens in dem eigenen erhebenden Bewusstsein sowohl als auch in der freudigen Anerkennung und dankbaren Liebe der Mitwelt zu gemessen; möge es aber auch uns und Ihren vielen Verehrern beschieden sein, auf Sie in unserer Mitte mit Stolz und Freude noch recht lange .hinblicken und hinweisen zu können. Das Lehrer-Collegium des jüdisch-theologischen Seminars in Breslau. (Folgen die Unterschriften.)