Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1884
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
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36 Gott allein anzuerkennen, Welche mit Schauder gemischte Bewunderung mussten die Standhaftigkeit und die Todesverachtung der Kinder zelotischer Eltern bei den Zuschauern erregt haben, wenn diese selbst durch Folterqualen nicht dahin gebracht werden konnten, ״domine Imperator“ zu rufen l Josephus selbst, der die Zeloten nicht genug anschwärzen konnte und sie als Auswürflinge schilderte, liess ihnen die, Gerechtigkeit widerfahren, dass sie für die Freiheit und die religiös-demokratische Gleichheit die grausigsten Qualen zu erdulden, sich nicht einen Augenblick besonnen haben. Diese wilde Freiheitsliebe und dieser Heroismus müssen gerade auf Römer der höheren Stände in der Kaiserzeit einen ausserordentlichen Eindruck gemacht haben. Aus alter Erinnerung bewunderten sie den Heroismus, waren aber nicht mehr im Stande ihn zu bethätigen, wie sie für die republikanische Freiheit im Innersten schwärmten, ohne sich aufzuraffen, sie wieder zu erringen. Der einreissende Knechtsinn der adeligen Geschlechter nach Octavian’s Sieg über das republikanische Heer, wie ihn Tacitus kurz und drastisch schildert, ״dass sie aus Sucht nach Geld und Ehren sich rasch in die Unterthänigkeit fügten und in den neugeschaffenen Lagen die Gegenwart und Sicherheit vorzogen vor der Vergangenheit und den Gefahren“ *), dieser Knechtsinn nahm unter seinen sieben oder zehn Nachfolgern gewaltig zu. Was hat der gelangweilte Unmensch mit dem Namen Domitian den Senatoren und Vornehmen zugesetzt, und welchen ingrimmigen Hass hegten sie gegen ihn! In welchen rasenden Jubel brachen die Senatoren bei der Nachricht von seinem Tode aus! Aber so Jan ge er lebte, blieb dieser Hass ohnmächtig. Diejenigen welche er nicht in den Tod geschickt, zitterten fortwährend vor Todesfurcht, und diese Furcht konnten sie nicht überwinden, um sich aufzubäumen und gemeinschaftlich einen mannhaften Entschluss zur Beseitigung des Ungeheuers zu fassen. In seiner Gegenwart krochen sie vor ihm und nannten ihn ״erlauchten Imperator und Gott“. Selbst seiner Bildsäule zeigten sie mit Zähneknirschen göttliche Verehrung. ב) Annales I, 2. Quum . . . ceteri nobilium, quanto* quis promtior opibus et honoribus extolleretur, ac novis ex rebus aucti, tuta ac praesentia quam vetera et periculosa maUent.