Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1884
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 39)
- Language
- German
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37 Ganz anders die Judäer! Ohne Todesfurcht beim Anblick der Marterwerkzeuge spotteten sie der Majestät der Caesaren. Und gerade diese Mannhaftigkeit und dieser Todesmuth für die republikanische Freiheit, die ihnen abgingen, bewunderten diejenigen Römer, die noch eine Spur von Gesinnung besassen, an den zelotischen Judäern. Gerade Römer mussten eine besondere Hochachtung vor einer Religion empfinden, welche dieses ihnen entschwundene republikanische Ideal zu bethätigen lehrt, und welche selbst Kinder begeistert, dem Tode furchtlos in’s Auge zu schauen. Das ist, wenn vielleicht auch nicht der einzige, so doch der Hauptgrund für die überraschende Erscheinung, dass besonders unter Domitian so Viele ״auf den Abweg der jüdischen Sitten gerathen waren“, wie sich der Geschichtsschreiber von seinem heidnischen Standpunkt aus ausdrückt, die Bewunderung für den religiös gefärbten republikanischen Trotz der Zeloten, welchen der Hochmuth der Cäsaren nicht zu brechen vermochte. Diese Bewunderung flösste auch dem Kreis des Epaphroditos Wissbegierde ein, die Geschichte des judäischen Volkes kennen zu lernen, oder eigentlich das hohe Alter desselben zu erfahren, gemäss der Vorstellung der antiquen Welt, dass Uraltes mit Vortrefflichem identisch sei. Es erklärt auch die andere Seite dieser Erscheinung, dass Römer aus den hohen Klassen judaisirten, die Götter verbrannten, die sie bisher verehrt und das verehrten, was sie verbrannt hatten. Das Christenthum dagegen gewann im Anfang lediglich Gläubige aus den untern Schichten, weil die römischen Grossen für die Angelpunkte seines Lehrinhaltes: den Glauben an die Verleiblichung des Messias und die Auferstehung als Mittel für das Eingehen in’s Himmelreich, kein Verständniss hatten, und es daher keinerlei Reiz für sie hatte. Mit der Staatsgewalt suchte es auf leidlichem Fusse zu stehen und spitzte seine Gleichgiltigkeit gegen diese für die Römer hochwichtige Angelegenheit in dem Dictum zu: ״Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist“. Seine damaligen Vertreter haben die Berechtigung des Kaisers, wie despotisch auch seine Regierung war, in der höchsten Instanz anerkannt, indem sie den Grundsatz aufstellten: Jede behördliche Autorität stamme von Gott• Diese aufrichtige oder nothgedrungene Anerkennung der Tagesmacht war nicht geeignet, Römer auf der hohen Stufe der Gesellschaft, welche