Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1884
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
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34 Rom geschleppten jüdischen Kriegsgefangenen, wenn auch von ihren Religionsgenossen losgekauft, gedrückt und armselig einhergingen, öfter betteln mussten und aus Mangel an gesunder Nahrung und Wohnung kränklich ausgesehen haben mögen. Der Anblick solcher Gestalten war nicht geeignet, aristokratische Römer für das Judenthum einzunehmen. Daher ist es nicht zutreffend, was Derenburg als Erklärung für die Sympathie der Römer für das Judenthum aufstellt: weil es ein seltenes Schauspiel (für die Heiden gewesen sei, dass die Juden am Sonnabend sich nicht, wie sonst, rührig auf den Strassen gezeigt, sondern beim Gebete und der Vorlesung aus den heiligen Schriften in ihren Bethäusern zugebracht hätten1). Schwerlich haben die auf dem Forum flanirenden Römer die jüdischen Gestalten da vermisst und sie in ihren Synagogen aufgesucht', um von der Andacht derselben ergriffen zu werden. Die Einwirkung des biblischen und überhaupt des jüdischen Schriftthums auf empfängliehe Gemüther darf man auch nicht zu hoch anschlagen. Allerdings hatten die Phiionischen Schriften eifrige heidnische Leser, mehr noch als die heilige Schrift in griechischer Form, aber gewiss lediglich im engsten Kreise der Philosophie Beflissenen. Aber auf die Umstimmung der Massen — und nach den gewonnenen Resultaten müssen es Massen von Judaisirenden und Proselyten gewesen sein — kann diese Literatur keinen Einfluss geübt haben. Dazu gehörte ein aussergewöhnlicher Act, welcher einen gewaltigen, sinnenfälligen, nachhaltigen und zum Nachdenken anregenden Eindruck hervorbringen konnte, um die im Pessimismus befangenen mittleren und höheren Gesellschaftsschichten in der blasirten Hauptstadt zur besseren Würdigung des Judenthums aufzurütteln und anzuregen. Der Erklärungsgrund für das Judaisiten vieler Römer muss also in einer solchen Erscheinung liegen. Es gilt gegenwärtig als ein unbestrittenes Factum, dass nicht der Inhalt der Christuslehre heidnische Bekenner in grosser Zahl dafür angezogen hat, sondern der Anblick der Standhaftigkeit christlicher Märtyrer in der Verfolgungszeit. Den zahlreichsten Zuwachs erhielt das Christenthum während der Diokletianischen Verfolgung, und es ist eben dadurch so mächtig geworden, dass l) Essai sur thisteire de la Pale st ine' 332 fg.