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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1884-01-01 · 1884 · page 35

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1884
Date
1884-01-01
Page
– (sequence 35)
Language
German
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IRI
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33 mmmmm Es ist daher verwunderlich — aber doch erklärlich — dass stimmberechtigte Forscher der römischen Kaisergeschichte dieses Factum für die Sittengeschichte der Römer nicht berücksichtigen. Carl Peter z. B., einer der gediegenen Bearbeiter der römischen Geschichte, stellt es in Abrede, dass Flavius Clemens judaisirt habe. Es mag sein, dass ihm die Argumente, welche unzweideutig dafür zeugen, nicht in ihrer Beweiskräftigkeit gegenwärtig waren. Aber die Motivirung für sein Absprechen verstösst geradezu gegen klassische Zeugnisse. Peter begründet nämlich Clemens’ christliches Martyrium in einer Note1) mit der Auseinandersetzung: ״es sei kaum anzunehmen, dass in der damaligen Zeit, naqh der Zerstörung von Jerusalem, das Judenthum viele Proselyten gemacht hat, während das Christenthum sich immer mehr verbreitete“. Ich denke, dieses oft geltend gemachte Raisonnement hat gegenüber den in dieser Abhandlung angeführten Thatsachen jede Beweiskraft verloren. Die Thatsachen sprechen laut dafür, dass gerade nach der Zerstörung Jerusalems die Zuneigung zum Judenthum in der Römerwelt zugenommen hat. Das Christenthum hat sich allerdings ebenfalls in dieser Zeit ausgebreitet, aber nur in den unteren Volksschichten, das Judenthum hat aber in den höheren Klassen Eroberungen gemacht. Allerdings auffallend genug ist diese Erscheinung, und der Erklärungsgrund dafür muss gesucht werden. Er muss um so eher gesucht werden, als das äussere Auftreten der Juden in der Hauptstadt Rom nichts besonders Anziehendes darbot. Wenn auch bei der Schilderung der Juden in Rom, als wären sie grösstentheils Trödler, Hausirer, Schwefelfädenverkäufer, Kuppler gewesen, als wären sie mit vor Schmutz starrenden Kleidern, mit Triefaugen und übelem Gerüche umhergeschlichen, wie sie in den neueren romanhaften Darstellungen des Urchristenthums figuriren, wenn bei dieser Schilderung das Haschen nach stilistischen Contrasten, falsche Auslegung der Quellen und vor Allem die anerzogene Voreingenommenheit die Farben gemischt haben2 3), so ist es doch nicht zu leugnen, dass die nach 1) Geschichte Roms, 4. Ausgabe, III, S. 489. Auch Friedländer beweist irrthümlich in der Sittengeschichte Roms den siegreichen Einfluss des Christenthums durch Clemens* Bekehrung zur Kirche. 2) Vergl. darüber die wohlverdiente Zurechtweisung der unwahren Schilderung bei Renan uDd. Hausrath in M. Joels Schrift: Blicke in die Religionsgeschichte, H, 127 ff״* 3

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