Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1884
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 34)
- Language
- German
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32 doch zu verlockend, um sie nicht zu benutzen, Freiheit und möglicherweise staatliche Restauration dadurch zu erlangen. Talmudische Quellen tradiren ferner, dass der römische ״Senator“, oder der ״Hochangesehene“ Edoms (Roms) vor seinem Tode die Beschneidung an sich vollzogen habe, oder figürlich: ״Das Schiff hat vor seiner Fahrt den Hafenzoll erlegt.“ So mögen die Synhedristen, die, wie ebenfalls tradirt wird, mit ihm im Verkehr waren, ihn dazu bestimmt haben. Möglich, dass dieser Act, wodurch Flavius Clemens ostensibel zum Judenthum übertrat, die Ursache seines gewaltsamen Todes geworden ist. Es lag darin ein offener Abfall von dem römischen Cultus, eine Verleugnung der römisehen Götter, und so konnte ihn Domitian der ״Gottlosigkeit“ anklagen und hinrichten lassen. Der wahre Grund für seine Hinrichtung war übrigens in Rom nicht bekannt geworden, da der Sammler von Anekdoten über die Kaiser und die ihnen nahestehenden Kreise, Sueton Tranquillus, denselben nicht gekannt hat. Dieser berichtet, Domitian habe ihn wegen eines sehr geringen Verdachtes plötzlich hinrichten lassen: repente ex lenissima suspicione ... interemit (Clementem patruelem suum Domitianus). Möglich, dass die Grausamkeit dieses Kaisers an seinen nahen Verwandten Clemens und Domitilla Veranlassung zu seinem eigenen gewaltsamen Tode war. Denn wiewohl sich mehrere gegen sein Leben verschworen hatten, und die Kaiserin Domitia selbst damit einverstanden gewesen sein soll, so waren die Verschwörer lange rathlos über die Mittel zur Ermordung desselben, und der ganze Plan hätte verrathen werden können, wenn nicht der Freigelassene Stephanus, der handfest war, sich erboten hätte, den ersten Streich gegen den Despoten zu führen, was er auch ausgeführt hat. Dieser Stephanus war Verwalter der Güter der Domitilla1). Es ist also möglich, dass er den Tod seiner Gebieterin und ihres Gatten an ihrem Feinde habe rächen wollen. Aber Sueton deutet an, dass ihn seine eigene Angelegenheit dazu geleitet hat, seine Hand zu Domitians Ermordung zu bieten, da er wegen Unterschlagung von Geldern angeklagt war (Stcphanus, Domitillaeprocurator, et tune interceptarum pecuniarum rensj. *— Die Vorliebe in der römischen Welt für das Judenthum hat jedenfalls eine nicht unmerkliche Bewegung hervorgebracht und bis in den Palast der Kaiser hineingespielt. נ) Sueton a. a. O. 17. Dio Cassius 67,17*. ־