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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1884-01-01 · 1884 · page 33

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1884
Date
1884-01-01
Page
– (sequence 33)
Language
German
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IRI
…/2720904-2720945--32-2723815
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31 Um beiderseitigen Quellen gerecht zu werden, konnte man annehmen, dass Domitilla dem Christenthum, ihr Gatte dagegen dem Judenthum anhänglich gewesen sei. Da beide ReMgionsformen damals ihre Spitze gegen das römische Heidenthum gekehrt hatten, so konnten sie recht gut sich in einer Familie mit einander vertragen. Ohnehin hatte das Christenthum im ersten Jahrhundert von dem jüdischen Ritus noch Vieles beibehalten, ganz besonders aber den Sabbat noch heilig gehalten. Die Grenzlinie zwischen beiden war daher nicht markirt genug. Clemens und Domitilla konnten daher ein friedliches Eheleben fuhren, wenn er mehr Sympathie für die Mutterreligion und sie für die Tochterreligion empfand. Es steht also unerschütterlich fest, dass Flavius Clemens, Neffe des Kaisers, dem Judenthum anhänglich war; die dafür angeführten Zeugnisse sind beweiskräftig genug. Die talmudischen Quellen brichten indess, dass der vornehme Römer Anfangs lediglich ein ״GottesVerehrer4‘ gewesen sei, d. h. ein Halbproselyte, und dass er erst kurz vor seinem Tode die Beschneidung an sich vollzogen habe. Diese Angabe motivirt noch mehr die Reise der vier Synhedristen, der angeblich heuchlerischen Pharisäer, nach Rom; sie scheint im engsten Zusammenhänge mit Flavius Clemens’Vorliebe für das Judenthum zu stehen. In Judäa musste sie schwärmerische Hoffnungen erregt haben. Man bedenke, was das bedeutete. Ein naher Verwandter des Kaisers, damals sein Mitconsul (im Jahre 95); seine zwei Söhne waren von Domitian als Caesaren und Nachfolger designirt mit Namensänderung, der eine Vespasian und der andere Domitian benanntג). Wie, wenn aus dieser hochstehenden Persönlichkeit, aus einem Halbproselyten ein* Vollproselyte gemacht werden könnte! Könnte es nicht dahin kommen, dass die Erben der Zerstörer des Tempels ihn wieder aufbauen werden? Da lohnte es sich schon, eine Reise zu Wasser und zu Lande zu machen, um eine solche Persönlichkeit zum Proselyten zu machen. Wenn auch die damaligen Vertreter des Judenthums, wie dessen Vertreter überhaupt zu allen Zeiten, fern von Proselytenmacherei waren — und man hat irrthümlich aus dem behandelten Vers im Matthäus- Evangelium das Gegentheil erwiesen — so war diese Gelegenheit ב) SuetoD, Domitian 15.

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