Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1884
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
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20 Noch einen andern Umstand musste die jüdische Gesetzgebung bezüglich der Proselyten in Betracht ziehen. Der von den Stockrömem beklagte Eifer für das Judenthum unter den Heiden, der sich, wie angegeben, in jeder Stadt und in jeder Familie bekundete, erzeugte naturgemäss das Bedürfniss, sich durch' irgend ein charakterisches Zeichen zu äussem. Die Enthaltung von der Theilnahme an dem Götzencultus von Seiten der Halbproselyten, ein rein negatives Moment, konnte doch dieses religiöse Bedürfniss nicht befriedigen, und diese Befriedigung in Sendung von Opfern und Weihgeschenken für das Heiligthum des einzigen Gottes zu finden, was früher üblich gewesen, war mit der Zerstörung des Tempels in Jerusalem unmöglich geworden. So bekundete sich der Eifer der Judaisirenden für das Judenthum zunächst in der Sabbatfeier. Diese hatte überhaupt für die im Heidenthum Erzogenen etwas Bestechendes und Anziehendes. Die Ruhe von jeder geschäftsmässigen Thätigkeit, die Versammlung der Gemeinde im Bethause, die Vorlesung aus dem Pentateuch und den Propheten, die Homilie oder Predigt, welche an den verlesenen Text anknüpfte, die andächtige Stimmung der im Bethause Versammelten1), alles dieses erschien den Heiden als etwas Ideales, das sie in ihrem Cultus vermissen mussten, als eine Anregung zum Leben der Weisheit in einem Philosophen- Conventikel. Daher fand die Sabbatfeier zunächst Eingang bei den Judaisirenden. Wahrscheinlich betheiligten sie sich an der gottesdienstlichen Versammlung der jüdischen Gemeinde in ihrem Orte. Wir haben bereits Josephus’ Bezeugung vernommen, dass es nicht eine Stadt gegeben hat, in welche die Feier des siebenten Tages, wie sie die Juden begingen, nicht gedrungen wäre. Einige Verse in Juvenals Satiren vergewissern diese That- Sache, dass Römer in Rom in der abgegrenzten Zeit gleich den Juden den Sabbat feiertägig zu begehen pflegten, und werden zugleich dadurch erläutert. Die vierzehnte Satire dieses malcontenten, pessimistischen und von Neid erfüllten römischen Satisten erhalten in jems. jebamot 8d: אית תניא תני גר תושב אין מקבלץ אותר עד שיקבל עליו את כל המצות שיכתוב בתורה ואית תניא תני ...עד שיכפור בעבודה זרה שלר. . Die dritte vermittelnde Ansicht ist nicht erwähnt, auch nicht die verschiedenen Verhältnisse. Nur nebenher ist erwähnt: הוא. שוד, לישראל בג׳ דברים כלא תעשור, ולא חונה ומלה כישראל♦ 1) Vgl. darüber Fragmente aus Philo von Eusebius erhalten, ed. Mangey II. 630.