Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1884
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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10 leicht hätte sie sich verflüchtigen und ganz auflösen können! Das Band der Alle einigenden Gesetze augeflöst, würden die Bekenner des Judenthums in der Heidenwelt untergehen. Zudem waren die Minäer ihren bisherigen Stammes- und Religionsgenossen politisch gefährlich. Um nicht zu ihnen gezählt zu werden und den Tracasserien der römischen Machthaber ausgesetzt zu sein, welche, nach dem unglücklichen Kriege doppelt argwöhnisch, jede freiheitliehe Regung zu unterdrücken trachteten, oder auch um sich der lästigen und schimpflichen Judensteuer, des Judatcus fiscn§, zu entziehen, wollten die Minäer ihre völlige Trennung von den Juden durch delatorische Angebereien bei den römischen Behörden bekünden. Gelegenheit genug gab es zu Denunciationen, da die Juden im Heimathlande damals heimlich den Plan hegten, Roms Joch durch einen neuen Krieg abzuwälzen, was sie auch unter Trajan und Hadrian kühn und todesverachtend versucht haben. Von diesen heimlichen Verschwörungsprojecten hatten die Juden- Christen, die doch bis dahin mit ihren Stammesgenossen in intimem Verkehr standen, und vor denen diese kein Geheimniss hatten, selbstverständlich Kunde und hinterbrachten sie den lauernden Feinden. Daher galten in dieser Zeit die Bezeichnung Minäer und Delatoren als identisch (מדנים מסורות). Aus diesem Grunde führte der damalige Patriarch Rabban Gamaliel II. eine eigene Verwünschungsformel gegen dieselben in das tägliche Gebet ein, welche ursprünglich gelautet hat: ״Den Minäern und Angebern sei keine Hoffnung (auf die Seligkeit“) 1). Sie wurden dadurch aus der jüdischen Lebensgemeinschaft völlig ausgeschlossen, und dadurch wurde eine Scheidewand zwischen ihnen und den gesetzestreuen Juden aufgeführt. Im Gegensatz zu derselben hat derselbe Rabban Gamaliel gewissinUebereinstimmung mit seinem Collegium eine eigene Benedictionsformel für diejenigen Proselyten eingeführt, welche das Judenthum vollständig mit allen Gesetzespflichten angenommen hatten 2). 1) Vgl. Graetz, Geschichte der Juden IV. S. 2, 104 f. Graetz-Frankl, Monatsschrift Jahrg. 1881, S. 498. M. Joel, Blicke in die Religionsgeschichte I, S. 33 f. 2) Es ergiebt sich aus der aufmerksamen Beachtung der talmudischen Tradition über die Einführung und Formulirung der Benedictionen des täglichen Gebetes, dass ursprünglich eine eigene längere Formel für die Proselyten ausgeprägt war. Am vollständigsten Tosefta Berachot in Ende. ♦ ♦ ♦ . י״ח ברכות שאמרו חכמים כנגד י,ח אזכרות כולל של מ־נים בשל פדושין (.1 פושעים) ושל גרים בשל וקנים ושל דוד בשל ירושלים♦ אם