Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1884
- Date
- 1884-01-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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nicht geradezu auf Fälschung der Thatsachen, so doch gewiss auf Verblendung durch den römischen Dünkel. Es schien ihm unmöglich, dass edle Römer sich den Juden zugesellen sollten. AVir besitzen aber Zeugnisse in Fülle, welche Tacitus’ Verunglimpfung dementiren und erhärten, dass edle und vornehme Römer die jüdische Lebensgemeinschaft aufgesucht haben. Zunächst ein Zeugniss von Josephus. Dieser jüdische Historiker, welcher mit Proselyten verkehrt hat und also über ihren Wandel besser unterrichtet war als Tacitus, entwirft eine ganz andere Schilderung von ihnen. Um die Vortrefflichkeit des jüdischen Gesetzes oder der jüdischen Religion den schm äh süchtigen Griechen gegenüber augenscheinlieh zu beweisen, weist er auf die Menge Derer, welche unter den Völkern dem Judenthum zugethan waren, und auf deren sittliches Verhalten. ״Gewiss, bei der Menge ist seit lange ein grosser Eifer für unsere Religion aufgekommen. Es giebt nicht irgend welche griechische oder barbarische Stadt, nicht ein Volk, zu welchem nicht die Sitte der Sabbatfeier gedrungen wäre. Auch die Fastenzeit, das Anzünden der Lichter und Vieles, was uns zum Geniessen verboten ist, werden (von diesen) beobachtet. Sie bestreben sich unsere gegenseitige Eintracht, die Freigebigkeit mit den Besitzthümern, die Arbeitsamkeit in den Gewerken und unsere Ausdauer in den Drangsalen des Gesetzes wegen nachzuahmen . . . Ein Jeder, welcher sich in seinem Vaterlande und in seinem Hause umgesehen hat, wird mich nicht Lügen strafen . . . Wären wir nicht selbst von der Vortrefflichkeit aller unserer Gesetze überzeugt, würden wir durch die Menge ihrer Anhänger darauf geführt werden, stolz auf sie zu sein“ 1). Josephus’ Schilderung von der grossen Menge Anhänger des Judenthums stammt aus Domitians letzten Jahren, zwei Jahrzehnte nach dem Falle Jerusalems. Noch deutlicher ergiebt sich aus einer Erzählung desDioCassius, dass in dieser Zeit nicht das römische Gesindel Zuneigung zum Judenthume gezeigt hat, wie Tacitus glauben machen wollte, sondern Römer aus patricischen Kreisen. Dieser Geschichts- Schreiber berichtet nämlich aus Domitians letztem Regierungsjahre, er habe seinen Verwandten Flavius Clemens hinrichten ג) Contra Apionem II, 39.