Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1883
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 63)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2720904-2720947--62-2723763- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
59 Besorgniss einer Lebensgefahr für den dritten Mann als wirklich begründet erachtet1 2), aber sie hielten die ganze Besorgniss für einen herrschenden Volksglauben, für eine superstitiöse Voreingenommenheit, und wenn sie auch aus Pietät gegen eine Baraita nicht wagten, das Verbot aufzuheben, so suchten sie es doch gewissermaassen zu umgehen. Diese Ansicht spricht Maimonides in einem Responsum (ebenfalls citirt in Kesef Mischna daselbst) ausdrücklich aus: Eine Frau zu heirathen, der bereits zwei Männer gestorben sind־), ist nicht ein religiöses Verbot, sondern es wird aus abergläubischer Aengstlichkeit und Voreingenommenheit gescheut3), wodurch schwache, ängstliche Gemüther oft wirklich Schaden nehmen können4). Es hat das keine grössere Bedeutung, als wenn man sich scheut, von dem vom Gärtner geknüpften Gebund ein Stück zu essen5). Und haben auch einige Rabbinen es ausgesprochen, dass sie nicht heirathen solle, so sagt man ihr doch: Solltest Du Jemanden finden, der Dir sich anvertrauen will, so werden wir ihn nicht dazu anhalten, die Ehe zu trennen. Ja man pflegt sogar die List anzuwenden, eine Trauung vor zwei Zeugen zu veranlassen, worauf dann der rabbinische Gerichtshof das Fehlende ergänzt, eine Ketuba schreibt und sie unter den Trauhimmel führt und mit den feierlichen sieben Segenssprüchen die Ehe einsegnet, da doch der Anfang bereits durch die Trauung vor sich gegangen. So pflegte es im Bet-din!) Zum Beweis mag dieneu, dass R. Ascher, der die Gefahr wirklich als begründet erachtet, in der That eine Zwangstrennnng verhängt כופין אותו להוצא> denn, sagt er, eine Gefahr sei noch sorgfältiger als ein religiöses Verbot zu betrachten; (חמירא סבנתא מאיסורא) Tur. Cap. 9. 2) In der mir vorliegenden Ausgabe des Jad hachasaka und Kesef Mischna (Fürth) •שלישית קטלנית אין בו איסור ist das Wort שלישית ein Druckfehler und muss heissen .שלישא קטלנית אין בו איסור 3) אבל הוא מרוחק טל צד הניחוש והפחד וחתמחון, m unserer Ausgabe מדוחק ist ein Druckfehler. I) Interessant ist, was Maimonides noch als Einleitung zu diesem Responsum bemerkt (s. פאר הדור No. I46): Es wundert mich, dass gelehrte Talmudkenner nicht unterscheiden sollen zwischen einer wirklichen Gefahr, die in der Natur liegt, was in der That als so dringend angesehen wird, dass selbst das hochwichtige biblische Gebot der Beschneidung dadurch sistirt werden muss (קטן שמתו אחיו מחמת מילה) und zwischen einer nur auf Einbildung und unrichtigen Vorstellung beruhenden Besorgniss. 5} S. Erstes Heft unserer Schrift: Aussprüche babylonischer Amoraim.