Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1883-01-01 · 1883 · page 61

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1883
Date
1883-01-01
Page
– (sequence 61)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2720904-2720947--60-2723761
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

57 Belehrungen von R. Hai holten (ja durch Vermittelung des R. Nissim sind auch dem erlauchten Zeitgenossen, R. Samuel ha-Nagid, Belehrungen des R. Hai zu Theil geworden). Beide sind freisinnig und Feinde aller Mystik. Von R. Chananel habe ich im ersten Hefte (S. 78, Note 4) angeführt, was er von Zauberei denkt, dass er beispielsweise die Worte Rab’s: ״Die Zauberkünste heben die Naturgesetze auf“ dahin erklärt: ״נראים כאלו ״ ,מכחישין"es hat den Anschein, als ob sie sie aufhöben“. So sehr R. Chananel es liebt, dem R. Hai zu folgen, so weicht er doch überall da von ihm ab, wo R. Hai dem Mysticismus zuneigt. Auch R. Nissim ist stets rationell, namentlich, wo es sich um die Erklärung agadischer Stellen handelt. Wenn es z. B; im Talmud Berachot von dem Hohenpriester R. Ismael heisst, Gott habe ihn aufgefordert, ihn zu segnen, so erklärt das R. Nissim für ein Traumgesicht1). Somit wäre die Periode der Geonim beendet, denn die Nachfolger führen den Titel ״Rabbinen“, über welche, in Bezug auf ihre Stellungnahme zum Aberglauben, ich in den beiden nächsten Abschnitten (F. und G.) berichten werde. Doch soll noch kurz Erwähnung eines Mannes geschehen, der gewissermaassen als Uebergang von den Geonim zu den Rabbinen betrachtet werden kann, des R. Jizchak Alfasi von Fez in Nordafrika (2 (ריף). Dass er oft bestrebt war, seinem Vorbilde R. Hai folgend, talmudische Agadot möglichst rationell zu erklären, ist bekannt, hier will ich nur ein halachisches Beispiel anführen. In einer Baraita, Jebamot 64 b, heisst es, dass eine Frau, der bereits zwei Männer gestorben, einen dritten nicht heirathen soll (aus Besorgniss, dass auch der dritte sterben könnte). Es liesse sich für dieses altrabbinische Verbot ein natürlicher Grund annehmen, dass nämlich der eheliche Umgang mit dieser Frau vielleicht einen schädlichen Einfluss ausübt und dass die Rabbinen aus Besorgniss vor diesem Contagium jede fernere Ehe verboten. Und in der That wird dieser Grund dort im Namen des R. Huna!) Vgl. über das Alles Rapoport a. a. O. 2) Geboren 1013, hörte er die berühmten Männer R. Nissim und R. Chananel, nach deren Tode (um 1050) er Träger der talmudischen Lehre im nordwestlichen Afrika, dann in Lucena (Andalusien) wurde. %

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.