Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1883
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 58)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2720904-2720947--57-2723758- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
54 Cap. 5 finden wir die Worte: Und so schickte R. Hai Gaon an Mar Abraham Kabassi. Freilich stimmt dann die hier in dieser Sammlung־ und im Äruch angegebene Jahreszahl 1140 der seleucidischen Periode nicht, denn das wäre gegen 200 Jahre vor R. Hai. Aber es könnte das ein Abschreibfehler sein und müsste vielleicht 1340 heissen; Ritba hatte wohl die richtige Zeitangabe, darum hält er Mar Abraham Kabassi für einen Zeitgenossen des R. Hai, denn R. Hai starb 1359 der seleucidischen Aera.“ Soweit Musaphia 1). Was hier Musaphia von R. Alfasi Ketubot berichtet, habe ich in der hiesigen Seminar-Bibliothek und in meinen eigenen sechs verschiedenen Ausgaben des Alfasi zu vertificiren gesucht und überall nur die Worte gefunden: ״ ,והכין שדיר רב האי גאון דלundso schickte R. Hai Gaon sei. Andenkens“, aber nicht: an Mar Abraham Kabassi. Vielleicht hat der sei. Editor diesen Zusatz in einer anderen Ausgäbe gefunden. Doch ist mir auffallend, dass R. Hai von einem Zeitgenossen in diesem Tone sollte gesprochen haben: ״Man erzählt von Mar Abraham Kabassi, der im Jahre N. N. gelebt hat“. So pflegt man von einem Zeitgenossen nicht zu sprechen. Selbst wenn er schon todt war2), so würde die Zeitgenossenschaft doch angedeutet worden sein. Es scheint mir in diesem Falle einleuchtender, dass das Ganze von einem späteren Rabbinen herrührt, dessen Gutachten zufällig unter die Responsen der Geonim gerathen ist3). In derselben Sammlung No 98 wird R. Hai angefragt und ersucht, die Talmudstelle Berachot 59a zu erklären, in der es heisst, dass Gott über das Leiden der Israeliten zwei Thränen vergiessen solle u. s. w., worauf R. Hai antwortet: Ihr müsst einfür allemal wissen, dass dergleichen Talmud stellen, die ,von Gott anthropomorphistisch sprechen, nicht buchstäblich genommen ג) Dr. Gideon Brecher in seiner Schrift: ״Das Transcendentale, Magie etc. im Talmud, Wien 1850•'*־, S. 97 sagt: ״Von dem Herrn Abraham Gaon, der 1140 der seleuc. Zeitrechnung lebte (1452 der gew. Zeitr.), berichtet man, dass er das Flüstern der Palmen verstanden habe“. Hierbei muss sich irgend ein Druckfehler eingeschlichen haben, denn abgesehen davon, dass die Rechnung nicht stimmt, gab es auch im fünfzehnten Jahrhundert keinen Gaon mehr. 2) Was ja aus Aruch und Ritba nicht einmal ersichtlich ist. 3) Bemerkt ja der Editor schon in der Vorrede, dass in allen Sammlungen Irrthümer in den Ueberschriften vorgekommen sind.