Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1883
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 55)
- Language
- German
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51 צביונם .,Willen“ bedeute, Gott habe nämlich jedes Geschöpf zuerst gefragt: In welcher Weise möchtest Du geschaffen sein? Und je nachdem die Antwort ausfiel, darnach richtete sich die Schöpfung. Wie ist das nun zu verstehen? Hat denn ein Geschöpf, ehe es noch geschaffen worden, irgend einen Willen? Wolle uns unser Herr belehren! Darauf giebt R. Hai* folgende Antwort: Die Erklärung, von der Ihr sagt, dass Ihr sie von einem Gaon gefunden, kennen wir nicht und sie leuchtet uns auch gar nicht ein. Aber freilich habt Ihr Recht, dass die Talmudstelle schwierig ist. Manche wollen nun diese Stelle mit gewissen Anschauungen von Philosophen in Zusammenhang bringen, wonach es g ewisse geistige Vorbilder und Urbilder giebt, nach welchen die Gottheit schafft, gleichsam wie der Stempel, nach welchem die Münzen geprägt werden. Abgesehen davon, dass solche Dinge an sich weit hergeholt sind, stehen sie auch den Lehren der jüdischen Weisen sehr fern, darum halte ich das für leeres Geschwätz. Noch Andere geben die (mystische) Erklärung, es habe jedes irdische Geschöpf einen Geist oder Engel (als Vorbild) im Himmel; an einen solchen Engel sei gleichsam die Frage Gottes bei der Schöpfung ergangen: Willst Du, dass ich in Deiner Aehnlichkeit ein Wesen auf Erden erschaffe? Und nach welcher Art möchtest Du erschaffen sein? Was wir aber meinen, ist Folgendes: Gott habe jedes Wesen so erschaffen, dass, wenn es jetzt gefragt werden könnte, es vollkommen mit der Art seines Erschaffenseins zufrieden wäre. Man ersieht hieraus, dass R. Hai bei der Erklärung agadischer Stellen wohl auch philosophische und mystische Anschauungen in Erwägung zog, am liebsten aber beim Schlichten und Rationellen blieb, selbst da, wo der Buchstabe der Talmudstelle solche Erklärung nur gezwungen zulässt1). In derselben Sammlung No. 29 ist ein Gutachten mit der Ueberschrift: ״Von R. Scherira und R. Hai“. Der erste Theil ent-!) Und wo der Buchstabe eine rationelle Erklärung gar nicht zulässt, hilft sich R. Hai manchmal damit, dass er das Ganze für eine blosse, nicht ganz ernstlich gemeinte Redensart oder als eine Uebertreibung hinstellt. So z. B. in derselben Sammlung No. 26 den Ausdruck (Sota 36b.): רצתה שבבת זרע מבין צפרני ידיו, לשו[ הבאי הוא ולא בדקדוק והכי קאמר בל מקום שמצאה שכבת זרע מקום לד,תפור ולצאת נפוריה ויצאה משם. 4*