Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1883
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 54)
- Language
- German
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50 anderen Gaon zuzuschreiben 1)י so wird es, wie ich hoffe, meinen Lesern doch nicht unangenehm gewesen sein, dass ich beide Responsen hergesetzt und genau besprochen habe, denn in jedem Falle spiegelt sich in denselben ein Stück geonäischen Culturlebens wider. — — Man gewahrt das ernste Bestreben, die erwachende Aufklärung mit dem gläubigen Bewusstsein auszusöhnen, wobei keine Mühe und Anstrengung gescheut wird, in seinem Gewissen sich mit beiden abzufinden2). Wenden wir uns jetzt noch einigen dem R. Hai Gaon^mit Recht oder Unrecht zugeschriebenen Responsen zu. In den ״Gutachten der Geonim“ ed. Lyck No. 28 wird R. Hai über eine talmudische Stelle (Rosch Haschana na, Chullin 60a) angefragt ״ ,בל בעשה בראשית בקומתן נבראו בדעתן נבראו בצביונם נברא(־alle Schöpfungswerke sind in ihrer Höhe (Natur), mit ihrem Verstände und in ihrer Schönheit geschaffen worden“ 3). Die Frage lautet so : Wir haben die Erklärung eines Gaon gefunden, dass das Wort x) Wenn S. Sachs meint, dieses Responsum könnte entweder von S. ben Chofni selbst oder von einem seiner Gesinnungsgenossen verfasst sein, so ist die erstere Annahme jedenfalls unrichtig, da, wie schon Graetz 1. c. richtig nachgewiesen hat, der Verfasser fern von Sura lebte, indem er sagt: ״Mystiker und Wundergläubige waren in der suränischen Hochschule heimisch, wir aber wohnen fern von Sura.“ Der Verfasser kann also nicht der suranische Gaon R. Samuel ben Chofni gewesen sein. 2) Nachdem meine obige Auseinandersetzung längst niedergeschrieben war, fand ich in dem ״Magazin für die Wissenschaft des JudentI1ums<: von Dr. A. Berliner und Dr. D. Hoffmann, Berlin 1878, S. 75, ftne Besprechung des zweiten Responsums Hai’s von Dr. Bernhard Ziemlich, München (meinem Neffen, dem jetzigen Rabbiner in Nürnberg), der den Ausweg betritt, den ersten Theil dieses zweiten Responsums für echt, den letzten jedoch von der Apostrophe an: ודע כי דבר זה היה מקובל אצל הראשונים וכר für eine spätere Interpolation anzusehen, was er dort sehr gut durchführt. In der That ist diese Ansicht geeignet, wenigstens die Echtheit des ersten Theils, der ganz im Geiste R. Hai’s geschrieben ist, festzustellen, und ich acceptire diesen vermittelnden Ausweg für den Fall, dass die Kritik meine eben gegebene Interpretation, nach welch er das ganze Responsum echt sein kann, nicht gut heissen sollte. (Habe ich ja selbst in einer Anmerkung weiter oben in Bezug auf beide dem R. Häi zugeschriebene Responsen bereits bemerkt, dass kleine, von beiden Parteien im Laufe der Zeit vorgenommene Interpolationen nicht ausgeschlossen seien). Einstweilen hoffe ich jedoch, dass die Kritik bei genauerem Eingehen auf meine Interpretation meine Auffassung billigen werde. 3) Meine Uebersetzung ist nach Aruch s. v. צב a. Er erklärt: Im Urbeginne der Schöpfung habe jedes Geschöpf sogleich sein volles Wachstlium, seinen vollen Verstand und seine volle Schönheit erreicht, nicht wie ein Kind, das sich erst entwickeln muss. Aruch bringt aber auch die Ansicht der obigen ״Fragesteller“. Vgl. Raschi und Tosafot zu beiden Stellen.