Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1883
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 52)
- Language
- German
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48 dem wundervollen ״geistigen Schauen“ der alten Tanai'm, unsere Zustimmung nicht versagen1). Es erübrigt nur noch ein Moment, das gegen die Echtheit des Responsums zu sprechen scheint und, wie oben schon berichtet, von Graetz (Gesch. Bd. 6, Note 2) hervorgehoben wird: ״Es wird darin (in dem Responsum) die Ansicht des R. Samuel Gaon angeführt und widerlegt, der, weil er viele nichtjüdische Schriften gelesen, behauptet habe, nur durch Propheten thue Gott Wunder, aber nicht durch Fromme und Mystiker2). Dieser Samuel Gaon, dessen Ansicht hier getadelt wird, soll offenbar Samuel ben Chofni sein. Nun ist es undenkbar, dass R. Hai* von seinem Schwiegervater so wegwerfend gesprochen hat. Dann hat R. Hai, was hier dem Gaon Samuel zum Vorwurf gemacht wird, sich selbst zu Schulden kommen lassen. Er selbst hat nichtjüdische Schriften gelesen, sogar den Koran, und hat aus demselben und aus arabischen Traditionen die Erklärung schwieriger hebräischer Wörter geholt“. Allein abgesehen von der Vermuthung Senior Sachs', dass Samuel ben Chofni vielleicht der Schwiegervater des R. Hai ben David und nicht des R. Hai ben Scherira wur 3) — wodurch die Schwierigkeit ihre einfachste Lösung fände — finde ich überhaupt nicht, dass R. Hai von Samuel ben Chofni wegwerfend gesprochen hat. Er legt ihm das doppelte Prädicat רב und מר bei (וכשצמח מר רב שמואל גאון) mit dem Zusatze זכרונו ״ ,לברכהgesegneten Angedenkens“, spricht also mit der grössten Hochachtung von ihm. Dass er nicht מר חמי oder מר חותני sagt, ist allerdings etwas auffällig, allein Rapoport (Hai, Anmerkung 8) hat noch ein anderes Gutachten des R. Hai citirt, in welchem derselbe den R. Samuel ben Chofni mit den Worten anführt: ג) Diese klaren Zeugnisse sind nach dem Gaon die Heclialot und, gestützt auf dieselben, erst in zweiter Linie die Pardes-Bara'ita. 2) Das Wort ״Mystiker“ liier ist ein in den Worten Hai’s nicht begründeter Zusatz, denn, dass durch die Kunst der Mystiker keine Wunder geschehen, lehrt R. Hai selbst. 3) Ha-Tachia, Heft 1, S. 45. Hierdurch wäre also auch Graetz’ Beweis a. a. O., dass das erste Responsum von R. Hai herrühren müsse, weil der Spanier Joseph Tob- Eiern im אהל יוסף die Kernstelle aus diesem Gutachten dem R. Hai zuschreibt, etwas geschwächt, da das ein anderer R. Hai sein kann (welche Vermuthung Sachs dort aufstellt). Allein Sachs hat alle diese Vermuthungen durch nichts begründet, was doch nöthig gewesen wäre, wenn man allgemein recipirte Ansichten Umstürzen will. Es ist daher auf diese Conjecturen kein grosses Gewicht zu legen.