Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1883
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 51)
- Language
- German
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_ 47 den Stab; über die letzten referirt er, dass es unter den Denkgläubigen (חכמי שיקול הדעת) differirende Ansichten giebt und hält sein eigenes Urtheil in Reserve. Das zweite Responsum setzt gewissermaassen das erste stillschweigend voraus. In diesem wird er direct über gewisse ältere Tanaim angefragt, was von deren wunderbarem geistigen Schauen zu halten sei, wie das in einer bestimmten Bara'ita (״Vier sind in den Pardes eingegangen<£) dargestellt wird. Er giebt eine Antwort, deren Ideengang in Kürze folgender ist. Vor allem, meint er, müsse constatirt werden, dass ein so altes Referat nicht im Sinne unserer heutigen Anschauung, sondern nur im Sinne Dessen zu erklären sei, der es verfasst hat. Sieht man sich nun das Referat an, zumal im Lichte der es ergänzenden Schriftstücke (Hechalot), so könne man nicht anders sagen, als dass der Referent eine höhere Art geistigen (mystischen) Schauens beschreiben wollte. Fragt man nun, ob die Möglichkeit eines solchen Schauens zuzugeben sei, so kann nur das Folgende als Antwort dienen. Stand es ja in älterer Zeit, ehe die Epoche der Denkgläubigkeit angebrochen war, bei allen gläubigen und gelehrten Israeliten fest, dass Gott auch für nichtprophetische Fromme Wunder thue und sie mit heiligen Visionen beglücke, Wenn wir nun heutzutage auch nicht ganz so weit gehen, vielmehr uns darin einige Reserve auflegen1), so dürfen wir doch wenigstens da, wo die Zeugnisse so klar sind2), wie bei!) R. Hai drückt sich nicht mit Worten so aus, aber man liest es bei ihm zwischen den Zeilen. Von jenen Altvorderen (ראשונים) sagt er וכל מה שנאמר שבעשה לר, חניבא ״ :בן דוסא מאמינים בו ולא מכחישיןAlles was berichtet wird, es sei dem R. Chanina ben Dosa geschehen, sie glaubten daran und leugneten es nicht“. Von Hai selbst wissen wir (nach Zeugnissen des Aruch), dass er nicht alle solche Berichte ohne Weiteres hinnahm. Oft gab er sich Mühe, die Sache so darzustellen, dass der Vorgang als ein mehr naturgemässer erschien. Bei R. Chanina ben Dosa hält sich ja selbst die älteste Berichterstatterin, die Mischna, etwas reservirt: אמרו עליו על ר׳ הכינא בן דוסא (vgl. i.Heft S. 57) >* e^ne noch geringere Zuverlässigkeit können die späteren Berichte der Amoraim in dieser Hinsicht beanspruchen. Allein der Gaon will gleichsam sagen: Erwägt man diesen älteren allgemeinen Volksglauben, so ist unserer Gläubigkeit nicht zuviel zugemuthet, da, wo die Zeugnisse ldarer sind, wenigstens, sit venia verbo, eine Abschlags- Zahlung zu leisten. 2) Die Lesart in תשו' הגאונים, ed. Lyck a. a. O., lautet etwas weniger apodiktisch: ולא רחוק ממני, wir halten es nicht für zu fern, d. h. nicht für ganz unmöglich oder für nicht ganz ausgeschlossen, dass Gott die Gerechten Visionen sehen lässt.