Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1883
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 50)
- Language
- German
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46 Erst als Mar Rab Samuel Gaon, gesegneten Andenkens, emporblühte und mehrere seiner Gesinnungsgenossen, die sehr viel in nichtjüdischen Schriften gelesen hatten, wurde die Behauptung־ aufgestellt, dass Gott solche Visionen nur den Propheten zeigt, dass er dergleichen Wunder nur den Propheten thut, dagegen alle die Berichte über Wunder, die Gott auch den (nichtprophetischen) Gelehrten gethan haben soll, abzuweisen, oder wie der stereotype Ausdruck lautet: ״nicht Halacha wären“; auch von dem Berichte über R. Akiba, dass er die himmlischen Hallen geschaut, wie über die ähnlichen Berichte über R. Nechunia benHakana und R. Ismael1) wurde behauptet, ״das sei nicht Halacha“. Wir aber meinten, Gott thue seinen Frommen Zeichen und Wunder und zeige ihnen in ihrem innersten Schauen seine Hallen. Du aber, Lust unserer Äugen, der Du dich sehnst in die Pforte der Halacha einzudringen 2), wolle der König Dich in seine Gemächer führen3), dir Zutritt unter den vor ihm Stehenden gewähren4), so dass Du Dich labst an seines Hauses Fülle und trinkest von dem Strome seiner Wonne 5), denn bei ihm ist die Quelle des Lebens6). Das ist das zweite Responsum. Wer beide Responsen aufmerksam liest und mit einander vergleicht, der wird, wie ich glaube, mit mir der Ueberzeugung sein, dass sie beide echt seien und von R. Hai Gaon herrühren können. Im ersten wird er über gewisse Männer einer sogenannten ״heiligen Kunst“ angefragt und nur beiläufig streift die Frage auch die älteren Tana‘im. Ueber die ersten Männer bricht er nun ohne Weiteres R. Hai hieraus für seine eigene Anschauung zieht, soll weiter unten, wo der ganze Ideengang des Responsums erörtert wird, noch besprochen werden. 1) Das sind eben die zur Zeit der Geonim aufgetauchten Pseudepigraphien, die, wie es scheint, selbst die Aufgeklärten damaliger Zeit nicht für unecht zu erklären wagten. Hat ja selbst Saadia nur die Authentität des Schiur Koma, weil es den Glauben an die Unkörperlichkeit Gottes gar zu offenbar verletzte, anzuzweifeln gewagt (während Scherira auch diesem nur die Buchstäblichkeit absprach); die anderen Schriften, wie Hechalot u. s. w., hielt man allgemein als von den Tanaim herrührend, nur meinten die Denkgläubigen, sie seien nicht Halacha (d. i. sie seien, wie so manche Agadot, nicht normgebend für unser religiöses Bewusstsein). 2) Tiefes Verständnis der talmudischen Lehren zu erlangen. 3) Nach dem Hohenliede I, 4. 4) Nach Secharia 3, 7. 5) Psalm 36, 9. 6) Ibid. 10.