Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1883-01-01 · 1883 · page 49

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1883
Date
1883-01-01
Page
– (sequence 49)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2720904-2720947--48-2723749
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

45 sie auch alle Berichte über Wunder, die dem R. Chanina ben Dosa und Genossen geschehen sein sollten, geglaubt und nicht geleugnet. schon daraus, dass ein Mann wie Rapoport (a. a. O. Note 13) sich Mühe giebt, den oben im Texte citirten Satz ״was Alles der Welt nur zum Vortheil und nie zum Schaden gereichen kann“ zu erklären, wobei er auf folgenden Gedanken kommt: ״Es scheint, als ob manche Gelehrte diese Ansicht für schadenbringend ansahen, weil dadurch Gott noch über die Bibel hinaus gewisse anthropomorphistische Eigenschaften beigelegt werden.“ Dass diese Erklärung eine gezwungene ist, fallt in die Augen. Wird der Glaube an die Unkörperlichkeit Gottes durch die Wunder, welche er seinen Propheten thut, nicht alterirt, warum sollte er durch Wunder, die er an Nichtpropheten thut, geschädigt werden? Und welchen Sinn hätten dann die ferneren Worte Hai’s: בי יודע אלהים שאין* טומנים ״ ,בו טענה בטלהdenn Gott weiss, dass sie ihm nichts Unnützes nachsagen“. Allein Rapoport konnte die richtige Erklärung nicht finden, da ihm das erste Responsum gar nicht Vorgelegen hat (er kannte blos die wenigen Zeilen davon, die der Supercommentar zu Ibn-Esra, Ohel Josef Exodus 23, anführtwährend uns jetzt das ganze Responsum im טעם זקנים vorliegt). In diesem ersten Responsum wird, wie schon erwähnt, R. Hai angefragt, was von Leuten zu halten sei, welchen nachgesagt wird, dass sie vermittelst der Mysterien der Gottes- oder Engelnamen Wunder verrichten, die denen der Propheten gleichkommen, worauf R. Hai erwidert, dass solche Berichte als Fabeln zurückzuweisen wären, denn, wenn die Möglichkeit solcher Wunder zugegeben würde, so machte dies alle die Zeichen und Wunder, mit welchen Gott die Glaubhaftigkeit seiner Propheten manifestirt, illusorisch; indem ja auch das allergrösste Wunder noch nicht als Beweis dienen könnte, dass der Mann in directem Aufträge Gottes wirke, er könne ja seine Wunder durch eine heilige Kunst, durch ein Mysterium des Gottesnamens, bewirkt haben; also schon um dieses Schadens willen kann Gott solche Wunder nicht zulassen. Bei dieser Gelegenheit wird dann auch die Frage gestreift, wie es sich mit solchen ״nichtprophetischen“ Gerechten verhält, die durchaus nicht durch Vermittelung eines Mysteriums oder Gottesnamens Wunder wirkten, sondern — wie es bei den älteren Tanaim der Fall — an denen Gott aus freiem Willen sich ebenso wie an den Propheten verherrlicht haben soll? Muss auch diese Möglichkeit zurückgewiesen werden oder nicht? Darauf berichtet R. Hai, ohne sich selbst zu entscheiden, dass die Männer der Aufklärung, חכמי שיקול הדעת, über diesen Punkt getheilter Meinung seien: Einige derselben meinen,, solche Wunder könnten ohne Schaden bei צדיקים גמורים angenommen werden, denn solche Männer würden nie die Güte Gottes missbrauchen, nie sich fälschlich als Propheten ausgeben; Andere dagegen wollen gar keine Ausnahmen zugeben. So weit das erste Responsum. — Im zweiten nun giebt der Gaon dem Fragesteller — ehe er seine eigene Ansicht ausspricht — einen kurzen geschichtlichen Rückblick: ״Wisse“, sagt er, ״dass ehe die sogenannte Aera der Aufklärung herankam, also in der Zeit der Altvorderen (ראשונים) es über diesen Punkt noch gar keinen Streit gab. Alle nahmen sie an, dass Gott den Gerechten ebenso gut Wunder thut, wie den Propheten, und sie ebenso gut heilige Visionen sehen lässt, wie die Propheten; was alles der Welt nur zum Vortheil und durchaus nicht zum Schaden gereicht (ואין בהם הפסד בל עיקר), denn Gott weiss, dass sie (diese ausserordentlichen Gerechten) ihm nicht Fälschliches nachsagen (d. h. sich nicht als von ihm geschickte Propheten geriren) würden. Von diesem Schaden spricht der Gaon und nicht von anthropomorphistischen Gefahren. Welche Consequenz

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.