Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1883
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 48)
- Language
- German
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44 die Pflanzen“, so hält sich der Autor an das Bild des Pardes (Lustgarten), mit dem dieses Schauen bezeichnet wird; da Acher nun verderbliche Anschauungen angenommen hatte, so wird dasselbe Bild fortgesetzt, als hätte er die Pflanzen des Gartens umgehauen oder verderbt. Acher war nämlich der Ansicht, dass es zwei höchste Mächte gäbe, gleich jenen Magiern, welche von einem Ormuzd und einem Ahriman, einem Quell des Guten und einen Quell des Bösen, einer Wohnung des Lichts und einer der Finsterniss, sprachen. Auf diesen Gedanken zielt auch der Tanaite, der diese Baraita gelehrt hat, hin ב). Endlich R. Akiba war der vollkommenste unter ihnen, er schaute, und schaute richtig, sein Verstand vermochte all’ das Ausserordentliche und Schreckenhafte seines Schauens zu ertragen. Gott verlieh ihm auch Kraft, dass er beim Leben blieb und Alles Geschaute sich richtig deutete und auslegte * 2 3 * *). Und nun wisse, dass es bei den Altvordern insgesammt als traditionelle unbestrittene Thatsache galt, dass Gott den Gerechten ebenso gut Zeichen und Wunder thut, wie den Propheten, dass er die Gerechten ebenso gut wundervolle und staunenerregende Visionen sehen lässt, wie die Propheten, was Alles der Welt nur zum Vortheil und nie zum Schaden gereichen kann, denn Gott weiss, dass sie seine Güte nicht durch missbräuchische Angaben alteriren würden8). In Folge dieser Anschauung hatten!) Aus dieser Stelle erhellt, dass R. Hai, obschon er in der Pardes Wanderung eine Art mystischen Schauens sieht, doch weit entfernt ist, bestreiten zu wollen, dass dieses Schauen von dem sonstigen philosophischen Forschen dieser Männer, wie von ihrer Vertrautheit mit fremden nichtjiidischen Systemen, nicht zu trennen ist. Nach den neuesten Forschungen steht die Idee von den שתי רשויות mit der Gnosis (Gott und der Demiurg) oder mit dem platonischen Dualismus (Gott und die Hyle) im Zusammenhänge (vergl. Graetz ״Gnosticismus und Judenthumu und mein Bruder a. a. O.). R. Hai', der diese Systeme wohl nicht kannte, oder dem sie wenigstens nicht vertraut waren, sucht den Gedanken von שתי רשויות mit dem Parsismus in Zusammenhang zu bringen. 2) Bis hierher erklärt Hai die Baraita im Sinne des Autors, ohne sich dafür zu entscheiden, ob der der Relation zu Grunde liegende Gedanke seiner Anschauung entspreche oder nicht, oder — wie er sich oben ausdrückte — ״ohne sich für jetzt darauf einzulassen, ob die Sache Halacha ist oder nicht“. In Folgendem giebt er uns nun auch seine eigene Ansicht. 3) Um diese dunkle Stelle genau zu verstehen, müssen wir uns, wie wir bald sehen werden, das erste Responsum wieder in Erinnerung bringen. Dass ohne Zuhilfenahme jenes ersten Responsums diese dunkle Stelle nicht verstanden werden kann, ersehen wir