Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1883
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 45)
- Language
- German
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41 Antwort: Wisse, dass wir von jeher nicht die Gewohnheit hatten, eine Sache zu beschönigen1) und sie anders zu erklären, als im Sinne des Autors selbst, wie das Andere thun * 2). Wir erklären Dir daher jetzt die Anschauung dieses Tanaiten3), seine wirkliche Absicht und was er in Wahrheit gedacht hat, ohne uns für jetzt darauf einzulassen4), ob die Sache Halacha ist oder nicht5), denn allerdings giebt es Bara’itot, die nicht Halachot sind6), die wir aber nichtsdestoweniger im Sinne Dessen erklären, der sie gelehrt hat. — Vielleicht wolltest Du aber Einwendung machen?7) Nun, לחפות (ג, verdecken, verdunkeln, beschönigen; vgl. Jebamot 31b זמנין רבת אחותו היא ומחפי עלד,, ebenso Schebuot 39a מפני שמחפץ עליו; in Gittin 17a משום בת אחותו kommt zwar das Wort nicht direct in der Gemara vor, auch Raschi z. St. hat dafür וחם עליה, allein Tosafot z. st. s. v. נכתב ביום und ib. 3 b. s. v. כתב בכתב ידו, ebenso רי״ף z. St., auch Raschi selbst eine Seite weiter s. v. אהנו דלבתחלה haben das Wort in diesem Sinne (vgl. auch Levy Art. חפה, חפי). In fünf verschiedenen in der hiesigen Seminar-Bibliothek En-Jacob-Ausgaben steht zwar לחפוש mit שיץ, was ,,suchen“ bedeuten würde,. allein das dann überflüssige וי״ו und das Wörtchen על zeugen für die Riehtigkeit von לחפות mit תי״ו♦ Rapoport, R. Hai, Note 13, hat לתפוש, was gewiss ein Druckfehler ist. In תשו, הגאונים, ed. Lyck 1860, No. 99, steht richtig לחפות♦ 2) Dieses Wort Hai’s hätten sich auch viele spätere Religionsphilosophea sollen gesagt sein lassen, die manche Bibel- und Talmudstelle nach gewissen, zu ihrer Zeit herrschenden Anschauungen erklärten, ohne zu bedenken, dass der Autor daran nicht gedacht haben konnte. (Das war beiläufig der leitende Gedanke, der mich im Hefte I, S. 101 bewog, die scharfsinnigen Auseinandersetzungen des Rabb. Thein, dass es den Rabbinen mit dem Glauben an planetarischen Einfluss nicht Ernst war, abzuweisen, weil eine solche Voraussetzung nicht im Sinne der alten Talmudlehrer wäre.) 3J Des Berichterstatters in der Baraita ארבעה נכנסו לפרדס♦ 4) im En-jacob ואין אנו מבארים עכשיו הדברים הלכה או אינן הלכה♦ in der Ausgabe des Musaphia, ed. Lyck Nr. 99 ואין אנו ערבים עכשיו שהדברים הלבה♦ wir wollen nicht verbürgen, dass die Sachen Halacha sind, was dem Sinne nach dasselbe ist. 5) Das ist die gewöhnliche Formel bei den Geonim über eine Agada oder einen alten Bericht, der mit ihrer Auffassung nicht übereinstimmte: ״Das ist nicht Halacha“, was sagen will: Wir brauchen uns nicht zu beugen, uns nicht zu unterwerfen, unsere Ueberzeugung nicht zu verleugnen. 6) Im obigen Sinne: ״die wir für uns nicht als normgebend ansehen.“ 7) Im Texte ושמא תאמד♦ Rapoport, ״R. Hai, Note 13‘4, hat die beiden Worte eingeklammert, und auch in einem En-Jacob-Exemplare des Seminars fand ich sie durchgestrichen, da sie in der That störend sind und den Zusammenhang unterbrechen. Indess glaube ich eher, dass hier einige Worte ausgefallen sind. Es stand vielleicht ושמא תאמר ״ ,מה יכרחנו לזהDu könntest einwenden: was nöthigt uns dazu?4‘ Nämlich zu der Annähme, dass jede rationeUe Auffassung nicht im Sinne des Autors sein kann, vielleicht wollte er wirklich uns berichten, dass vier Gelehrte sich in ihre philosophisch-metaphy-