Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1883
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 44)
- Language
- German
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40 gefärbte Berichte aus dem Talmud rationell zu erklären. Besässen wir also nur das eine Responsum Ha'i’s, ohne von der Existenz des anderen etwas zu wissen, so könnten wir R. Hai* doch nicht für einen Rationalisten halten, sondern für einen zwar in vielen Beziehungen Freisinnigen, der aber voller Pietät gegen die Alten niemals allzu schroff auftrat, vielmehr so viel wie möglich zu vermittein sucht1). Und Anderes erkennen wir aus dem zweiten Responsum nicht, welches wir jetzt übersetzen wollen. Zweites dem R. Hai* zugeschriebenes (vom Glossator des En-Jacob citirtes) Responsum2): Einleitung. Du fragst3) in Betreff der Baraita Chagiga (14b): Vier sind in den Pardes4) eingegangen, nämlich Ben Asai, Ben Soma, Acher und R. Akiba; Ben Asai* schaute und starb, Ben Soma schaute ebenfalls und wurde ergriffen, Acher beschädigte die Pflanzen, R. Akiba allein ging ein und aus in Frieden. Du fragst nun, was versteht man unter Pardes und was heisst das: er schaute und ward ergriffen, welche Art von Ergriffensein ist das? Und was will das sagen, er beschädigte die Pflanzen? Und woher hatte R. Akiba das Verdienst, glücklich durchzukommen? Sollte es wegen seiner grossen Frömmigkeit sein? Aber waren denn Ben Asai‘ und Genossen nicht ebenfalls fromme Männer? O, möchte uns unser Herr diese Halacha erklären, denn der Ansichten darüber giebt es sehr viele.!) Ausser diesen und einigen anderen, sclion oben von mir hervorgehobenen Punkten kommt hier noch eine in demselben Responsum (טעם זקנים S. 58) vorkommende und schon von Geiger a. a- O. bemerkte Stelle in Betracht, aus der erhellt, dass der Gaon über Traumdeutungen zu einer gewissen schon im Talmud erwähnten mystischen Methode hinneigte. 2) Die Uebersetzung dieses nicht gar zu langen und durchgängig Interessantes darbietenden Responsums gebe ich hier vollständig. 3) Im Texte ודשאלתון, demnach wäre richtiger zu übersetzen: ״Ihr fragt“, allein aus der Antwort geht hervor, dass sie (wenigstens hauptsächlich) an eine Person gerichtet war, so z. B. דע, ebenso ושמא תאמר, daher zog ich es auch hier vor, das Wort ודשאלתון als eine blosse Höflichkeitsform gegen den Frager anzusehen. 4) Pardes bedeutet im Persischen einen Lustgarten, ein Wonnegefilde (woraus das Paradies); vgl. Hohes Lied 4, 13, Kohelet 3, 5 und Nehemia 2, 8.