Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1883
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 40)
- Language
- German
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36 auch darunter nicht ein einfaches menschliches Philosophien, sondern eine Art Vision oder Traumgesicht, inspirirt durch den heiligen Gottesgeist, 1 רוח הקדש), zu verstehen. Werfen wir nun nach dem Vorausgeschickten einige Blicke auf die Responsen selbst. Aus der Einleitung zum ersten Responsum ersehen wir, dass R. Hai schon früher einmal von Gelehrten angefragt worden, was von Leuten zu halten sei, die durch Gottesnamen und dergleichen seiner Annahme, die Worte ולא שהן עולי[ למרום וכוי für eine alte Baraita zu halten, verleitet hat. Nachdem nämlich Aruch die Stelle aus Hechalot gebracht, schliesst er mit dem Worte ברייתא, dann fährt er fort: ולא שהן עולין למרום ובו, זה פ*, רב האי גאון זצ״ל♦ Der Glossator im En-Jacob, der diesen Aruch-Artikel citirt, setzt jedoch irrthümlich vor dem Worte ברייתא einen Doppelpunkt, so dass man zu lesen versucht ist: ברייתא ולא שהן פולין למרום וכוי, Diesem Irrthume scheint auch Rapoport in Flüchtigkeit gefolgt zu sein (ebenso Ko hu t im Art. אבני שיש טהור)♦ In den meisten Aruch-Ausgaben steht kein Zeichen, weder vor noch nach dem Worte ברייתא (ebenso ist es der Fall in dem in der hiesigen Seminar-Bibliothek befindlichen handschriftlichen Aruch). Es ist das die von Kohut in der Einleitung zu seinem Aruch haschalem als sechste angeführte und beschriebene Aruch-Handschrift. In Landau’s Aruch steht ein Komma nach dem Worte ברייתא♦ Einen Beweis, dass dieser Satz nicht als Baraita bekannt war, entnehmen wir aus Tosafot z. St., wo dieselbe Erklärung mit folgenden Worten eingeführt wird: ולא עלו למעלה ממש אלא הי׳ נראה להם כמו שעלו ובן פי׳ בערוך, Tosafot würde aber nicht verfehlt haben auszusprechen כן הוא בברייתא וכמובא בערוך, falls daran zu denken wäre. Beiläufig bemerke ich, dass Tosafot dort Mystisches und Rationelles untereinanderwirft, nämlich die Erklärung Ras^hi’s, dass die Tanaim mittelst der geheimnissvollen Anwendüng eines Gottesnamens aufgestiegen (עלו למעלה ע״י שם) und die des R. Hai im Aruch, dass es kein wirkliches Aufsteigen, nur ein geistiges Schauen gewesen sei. Doch das geht uns hier nichts weiter an — die Anschauungen der nordfranzösischen jüdischen Gelehrten des Mittelalters werden uns erst im Abschnitte G. beschäftigen; allein der Beweis für das Factum, dass die Tosafisten von einer solchen Baraita nichts wussten, und auch den Aruch nicht dahin verstanden, wird dadurch nicht alterirt. — Auf noch einen Irrthum (Flüchtigkeitsfehler) Rapoports muss ich hier noch aufmerksam machen. In seiner Biographie des R. Chananel, No. 14, citirt er die in Rede stehende Erklärung des R. Hai aus dem Gedächtnisse ״ ,לא כעין הסוכה ברו״הקnicht so wie wenn Jemand im heiligen Geiste etwas erschaut“, und baut darauf eine Unterscheidung in den Arten geistigen Schauens, während in Wirklichkeit das Wörtchen ״ ,לאnicht“, ein irrthümlicher Zusatz ist. Rapoport selbst citirt in seiner Biographie des R. Hai, Note 14, denselben Satz correct. Wie er zu dem Irrthum gekommen, erkläre ich mir also: die Worte ״ ,כעין הסוכה ברו״הקähnlich so, wie wenn Jemand im heiligen Geiste Etwas erschaut“, interpretirt er (Rapoport) in der zuletzt erwähnten Note mit: ״ähnlich, aber nicht ganz so“ כעין רו״הק ולא רו״הק ממש und deshalb schwebte ihm dann vor, als ob es dort ausdrücklich hiesse ♦לא כעין הסוכה בררהק ג) Dass aber Hai trotzdem die Verirrungen jener Tanaim der Influenz gewisser herrschenden Religionssysteme zuschreibt, werden wir noch im zweiten Responsum sehen.