Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1883
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 38)
- Language
- German
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34 werfen oder können wir hier eine Ausnahme statuiren? Die sogenannten Rationalisten unter den Geonim meinen: nein, es geht nicht, es kann keine Ausnahme zugegeben werden. Denn obschon R. Chanina und seine Genossen allerdings unbestritten zu den wahrhaft Frommen (צדיר)ים גמורים) gehören, so könnte es doch ein Zeitalter geben, wo solche (צדיקים גמורים) nicht zu den Seltenheiten zählen, sondern recht häufig Vorkommen. Wenn Gott an denselben sich nun durch Wunder verherrlichen sollte, wo bliebe da noch die Beglaubigung für einen Propheten, wo bliebe überhaupt noch ein Unterschied zwischen einem Propheten und einem anderen Frommen? Gott kann es also schon deshalb nicht thun, um seinen höheren Zwecken nicht zu schaden. Andere jedoch, wenn man so sagen darf, die mehr orthodoxen unter den aufgeklärten Geonim, meinen hingegen, sie sähen den Schaden, der daraus entstehen könnte, nicht ein, indem ja Männer, wie R. Chanina niemals vermittelst einer Kunst oder eines Mysteriums ein Wunder hervorbrächten, sondern nur . Gott aus seinem freien Willen für sie aufträte. (So hätte ja auch R. Chanina niemals gesagt, er wolle diesem oder jenem Kranken Heilung bringen, sondern nur, er erkenne aus gewissen Anzeichen, ob Gott sein Gebet erhört habe oder nicht). Abgesehen davon, dass solche brave und edle Männer niemals fälschlich etwas im Aufträge Gottes verkünden würden, so dürfte ja selbst, wenn das einmal (vielleicht aus Selbsttäuschung) geschehen sollte, noch immer kein Schaden entstehen, denn Gott in seinem freien Willen würde alsdann diesen Auftrag nicht durch ein Wunder bewähren; es liege also für die Beglaubigung eines wahren Propheten (נביא אמת) gar keine Schädigung darin. Das sind die beiden sich entgegenstehenden Ansichten. Wir werden nun* sehen, dass R. Hai im ersten (im טעם וקנים gebrachten) Responsum, in welchem er die Frage wegen der älteren Tanaim nur gelegentlich streifte, da die eigentliche Frage die Wunderthäter der Gegenwart betraf, beide Ansichten anführt, ohne sich zu entscheiden; im letzteren (in En Jakob angeführten) Gutachten, dagegen, in welchen ihm dieses Thema (wegen der Tanaim) direct zur Entscheidung vorgelegt ward, sich, wenn auch mit einiger Reserve, für die orthodoxere Ansicht entscheidet, oder, wenn man genauer hinsieht, eigentlich nur der orthodoxeren Richtung eine Concession macht, theils aus Pietät gegen die gefeierten