Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1883
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
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26 Sinne1), wesshalb auch in Babylonien, wo die Meisten diese Bräuche haben, sogar Gelehrte sie mitmachen. Man nimmt zum Anfänge des neuen Jahres fettes Fleisch (oder Köpfe) 2), kocht es mit Gerstengraupe oder sonst recht süss und schmackhaft mit Ausschluss jeder sauren Zuthat und denkt oder spricht dabei: ״So wie beim Beginne des Jahres, so hoffen wir zu Gott, auch im Laufe desselben Alles in Fülle zu haben und nur Süsses und Angenehmes, nichts Betrübendes zu erleben“. Man merkt es dieser Antwort an, dass dej Gaon sich bemüht, den angeführten Bräuchen unter der Hand eine mehr harmlose symbolische Be- 1) זה נהש הוא לטובה• Ich. glaube, dass der Gaon mit diesen Worten ungefähr dasselbe sagen will, was ich im ersten Hefte dieser Abhandlung S. 89 im Sinne vieler Talmudlehrer als Unterscheidung zwischen verwerflichen und harmlosen Vorbedeutungen angeführt habe: ,,In Keritot 5b und Horajot 12a giebt R. Ammi ein Zeichen an,-um zu erkennen, ob man von einer Reise glücklich zurückkehren werde. Das thue man nicht, sagen die anderen Rabbinen, denn wenn das Zeichen ungünstig ausfiele, so würde der Mensch sich das zu Herzen nehmen und könnte dadurch dasjenige herbeiführen, was er gern vermeiden will — die nicht glückliche Rückkehr nämlich. Raschi, Horajot ibid., commentirt hierzu: ״Während das Zeichen selbst ein unsicheres ist — es kann ungünstig lauten und doch für den Betreffenden ohne Nachtheil sein, nimmt der sich Grämende sicherlich Schaden. Harmloser schon ist, was Abaji daran knüpft. Man geniesse am Neujahrsfeste als gute Vorbedeutung solche Speisen, deren Namen ein günstiges Zeichen enthalten. Ich sage, das sei schon harmloser, denn es ist nicht wie das Frühere eine Art von Wahrsagerei, oder eine Sucht, die Zukunft zu erspähen, sondern nur ein Mittel, sich im Gottvertrauen zu befestigen und sich für das Leben im neuen Jahre neuen Muth einzuflössen, oder, was bei edlen Naturen noch angemessener ist, sein innerliches Gottvertrauen durch sichtbare Zeichen auch äusserlich kund zu thun.״ (Maimuni führt trotzdem diesen Brauch gar nicht an, vermuthlich um selbst den Schein zu vermeiden, oder richtiger, um den Glauben an die Macht eines Omens nicht aufkommen zu lassen; im Schulchan Aruch Orach Chajim Cap. 583 wird er jedoch angeführt. Das ist nun wohl die Meinung des R. Hai נחש הוא לטובה ,,Es ist eine Vorbedeutung, aber im guten Sinne.“) 2) Aus diesen Worten scheint hervorzugehen, dass es gleichgiltig sei, was für Fleisch genommen wird. Andere finden jedoch in ראש כבש selbst eine Andeutung, ראש nämlich nach 5 Mos. 28,13 ein Symbol des ״Obenaufseins“ in כבש eine Reminiscenz an den Widder beim Isaacsopfer (זכר לאילו של יצחק). Wenn übrigens Orach Chajim Cap. 583 als Quelle dafür Beer Haggola und חגר״א z. St. מרדכי בשם ר׳ האי bezeichnen, so findet sich der Name Hai in der mir vorliegenden מרדכי-Ausgabe (Triest 1628, und Slawitta 1798) nicht, doch findet sich dort im Namen des R. Nachschon Gaon, dass der Brauch ״Fettes und Süsses an ר״ה zu essen“ eine Anlehnung an Nehemia 8,10 hat: לכו אבלו משמנים ושתו ממתקים, woselbst bekanntlich vom 1. Tischri die Rede. Ferner findet sich dort ■dass der Fragesteller den Ausdruck gebraucht: ״Ihr seid ja ganz der Wahrsagerei ergeben“ נוחשיי נחישות אתם.