Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1883
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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Jetzt sei י mir gestattet, über einen gemeinsamen Zug im Leben der Geonim zu berichten. Wenn man sich in der halachischen Responsenliteratur der Geonim etwas genau umsieht1), so wird man einen gemeinsamen Zug, der sie vor« theilhaft auszeichnet, nicht verkennen. Es kommen da Responsen vor von anerkannt freisinnigen Männern, wie R. Saadia2), R. Samuel ben Chofni3) u. A., ferner von mehr oder weniger zur Mystik hinneigenden, wie R. Sar Schalom, R. Natronai, R. Scherira u. A., endlich auch von Männern vermittelnder Richtung, wie R. Hai* u. A. Aber diese Verschiedenheit in ihrer philosophischen Richtung übt gar keinen Einfluss auf ihre praktisch-halachische Lehrthätigkeit aus. Die Freisinnigen haben nicht das Bestreben, praktisch-halachische Bestimmungen im erleichternden Sinn einzuführen, vielmehr richten sie sich stricte nach den aus den Discussionen und Lehrvorträgen der Talmudlehrer, je nach ihrer eigenen gewissenhaften Prüfung und Erforschung derselben, hervorgehenden Resultaten und entscheiden darnach, mögen diese Resultate erleichternd oder erschwerend ausfallen. Andererseits haben die in philosophischer Hinsicht minder Freisinnigen unter den Geonim durchaus nicht das Bestreben, in halachischer Beziehung neue Erschwerungen einzuführen. Vielmehr ist die Art, wie sie ihre praktische Religiosität durch ihre Lehrsätze bethätigen, im Verhältniss zur späteren Zeit (namentlich zu den Mystiken der späteren Zeit) eine gemässigte zu nennen. Näheres in einem besondem Excurs (Excurs IV: ,,Einiges über Erleichterungen resp. Erschwerungen seitens der Geonim gegenüber den talmudischen Bestimmungen. Zugleich über deren Ansehen oder Einfluss aut spätere Generationen“). 1j Mir liegen sechs verschiedene Sammlungen von geonäischen Responsen vor: 11 שו״ת הגאונים ed. Constantinopel, zweite Auflage. Prag 1575 (mit 400 Nummern). Es ist das die Sammlung, welche Luzatto in seinem 462 בית האוצר unter dem Namen מקוצרות anfuhrt, denn sie enthält in der That nur Auszüge aus grösseren Responsen. 2) שערי צדק Salonichi 1792 (mit 302 Nummern). 3) תשה גאונים קדמונים ed. Kassel mit einem Einleitungsschreiben von Rapoport. Berlin 1858 (mit 152 Nummern). 4) שערי תשובה ed. Tischei, Leipzig 1858 (352 Nummern). 5) חמדה גנוזה ed. Wofenisohn und Seniorsohn, Jerusalem 1863 (mit 166 Nummern). 6) תשוי הגאונים ed. Musaphia-Lyck, 1864 (mit 120 Nummern). Ausserdem einige kleinere Broschüren wie: Sendschreiben Scherira’s ed. Wallerstein u. A. 2) Vgl. שערי צדק Pforte 2. No. 9; Pforte 6. No. 8; Pforte 20. No. 8; u. a. O. 3) S. ibid. Pforte 3. No. 24; Pforte 6. No. 9 u. a. O.