Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1883
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 25)
- Language
- German
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21 Ascher1) nimmt an, Metatron sei ein Erzengel, der schon in den ersten Schöpfungstagen von Gott erschaffen worden und nicht erst zur Zeit Henochs; allein dieser Letztere hatte in Frömmigkeit vor Gott gewandelt, sich in die Erforschung der Geheimnisse der Schöpfung und in die intellectuelle Anschauung seines Ideals, des Erzengels Metatron, so sehr vertieft, dass er endlich ganz in dieses Denken aufging und mit dem Erzengel vereinigt ward. Von diesem Augenblicke an hätte sein Wesen eine höhere Natur angenommen, er hätte selbst den Namen Metatron erhalten, was auch mit Recht geschah, indem er in der That seinem Ideale, dem Erzengel, auf mystische Weise einverleibt worden sei2). Auf eine ähnliche Weise erklärt sich R. M. Corduero die wundervollen Vorgänge beiHenoch und Elia, nur meint er, dass ein gradueller Unterschied vorhanden sei, die Verwandlung Henochs sei eine viel vollständigere gewesen3). Ebenso interessant wie naiv ist die Frage, die er dort (S. 181) aufwirft, was es denn eigentlich Grosses damit sei, dass die frommen Männer Henoch und Eiiah zu Engeln erhoben worden seien. Nach dem Principe von Talmud und Kabbala, dass die Gerechten eine höhere Stufe einnehmen als die Engel, (גדולים צדיקים יותר ממלאכי ד,שרת) wäre ja das gar keine Erhebung, viel mehr eine Degradation. Seine Antwort ist ungefähr folgende: Durch die Verwandlung dieser erhabenen Männer in Engelnaturen sei ihre höhere Menschennatur nicht gänzlich verloren gegangen; es hätte sich vielmehr in ihrer neuen Stellung ein doppeltes!) Sohn des berühmten Rabenu Ascher in Toledo, verfasste sein exegetisches Sammelwerk um 1291, in welchem er einen eigenthümlichen und wunderlichen Eclecticismus an den Tag legte, ein Gemisch von Philosophischem und Mystischem enthaltend. 2) Wäre ein Jahrhundert vorher R. Tarn auf diesen Gedanken gekommen, so hätte er seine eben erwähnte Frage über den scheinbaren Widerspruch der Henoch-Agadot leicht lösen können. Henoch konn te dann immerhin in Metatron metamorphosirt worden sein und Metatron trotzdem als Weltfürst שר העולם schon in den sechs Schöpfungstagen das Lob Gottes verkündet haben. Allein der sehr scharfsinnige, dabei aber nüchternverständige Denker Rabbenu Tarn, war zu solchen mystischen Grübeleien gar nicht geeignet. *) An einer Stelle (Seite 182) wirft Pardes Rimonim die Andeutung hin, dass nach vielen Kabbalisten Henoch in Metatron, Eiiah aber in Sandalfon verwandelt (beziehungsweise demselben einverleibt) worden sei. Näher ausgeführt wird dieser Gedanke im Emek Hamelech Seite 175 b (Pforte 18, Cap. 2). Ueber das Buch Ernek Hamelech und wie später Kabbalisten über dasselbe urtheilen, wird eine Notiz in Excurs II erfolgen.