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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1883-01-01 · 1883 · page 23

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1883
Date
1883-01-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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19 Engel verkörpert worden sei, ebensowenig wie das bei Henoch der Fall war. Man sieht also, dass die Darstellung des Mose de Leon selbst den Kabbalisten zu stark schien. Dass nun Jalkut Reubeni sie trotzdem wiederholt und das abfällige Urtheil des R. Moses Corduero ganz verschweigt, macht ihn nicht wenig verdächtig1). Resumiren wir nun kurz das bisher Erörterte. In der Zeit des Talmud und der älteren Midraschim, liess man Henoch eines wirklichen, nur frühzeitigen Todes sterben, etwas später setzte man ihn in die Reihe derer, die lebend in den Himmel gefahren, noch später vindicirte man ihm die Metamorphose in den Engel Metatron. Die Vorstellung aber, dass er, oder auch Elia, ursprünglich ein Engel war, dann verkörpert als Mensch unter den Menschen lebte, um dann wieder zu noch höherer Glorie aufzusteigen, ist nur von M. de Leon ausgesprochen, von den anderen Kabbalisten verworfen, aber von einem noch späteren obscuren Kabbalisten reproducirt worden'2). Vor der Zeit der Kabbalisten, selbst noch im zwölften Jahrhundert, hatte man, wie schon oben gesagt, für die letzterwähnte Anschauung weder Sinn noch Verständniss 3).!) Einige Punkte möchte ich doch zu Gunsten des Jalkut Reubeni anführen.. Erstens rühren die anonymen Bezeichnungen פלוני n. s. w. schon von M. de Leon her und können also dem Verfasser des Jalkut nicht zur Last gelegt werden. Ferner: Pardes daselbst fährt im Namen M. de Leons also fort: ״Warum sagt Eiiah aber dann zum Herrn: Nimm, o Ewiger, meine Seele, denn ich bin nicht besser, als meine Väter (1 Kön. 19, 4)? Stammte er ja gar nicht von menschlichen Eltern ab? Antwort: Er will damit nur sagen: Da ich so lange als Mensch unter Mensehen gelebt, so kann ich keinen Vorzug vor anderen Menschen beanspruchen!u Diesen Zusatz hätte Jalkut Reubeni nicht wegzulassen brauchen, da er ja nur eine Consequenz des ganzen Systems ist. Darum scheint es fast, als ob der Verfasser dieses Jalkut doch nur ein harmloser Sammler ist, der, ohne viel nachzudenken, Alles aufgenommen, was er vorgefunden hat, und dem dieser Schlusssatz vielleicht doch etwas zu stark gewesen sein mag. Oder sollte es auch mit diesem Verschweigen eine eigene Bewandtniss haben? Sollte dieses Bild mit dem ihm vorschwebenden Vorbilde nicht gestimmt haben? Ich glaube doch, dieses Motiv wäre zu weit hergeholt. 2) Aehnliche Wandlungen hat auch die an den wunderbaren Bericht der heiligen Schrift über den Propheten Elias sich knüpfende Eliaslegende durchgemacht. Wir werden darüber in Excurs II. sprechen. 3) Wenn daher Graetz a. a. O. meint, dass die eigentliche Henochsage im Talmud noch keinen Boden fand und dass die talmudische Zeit Henoch nicht mit Metatron identificirt hat, so ist er vollkommen im Rechte. Nicht ganz ebenso genau ist es, was er daselbst (Seite 105, Anm. 2) über einen Ausspruch des R. Tarn bemerkt. Graetz sagt: ״Wenn R. Tarn annimmt, dass die Agadas darin aifferirten, ob Henoch mit Metatron 2*

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