Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1883-01-01 · 1883 · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1883
Date
1883-01-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2720904-2720947--18-2723719
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

15 habe ihn weggenommen“, (ואיננו כי לקח אתו אלהים) und da scheine es dieselbe Bewandtniss mit ihm zu haben, wie bei Eiiah, von dem es auch heisst: ״Heute nimmt Gott deinen Herrn von deinem Haupte hinweg“ (II. Könige 2). Wenn Ihr keinen anderen Beweis als von dem Worte לקח habt, antwortete R. Abahu, so kann ich eine andere Stelle entgegenhalten, in der ebenfalls das Wort לקח vorkommt, und doch offenbar der Tod gemeint wird, nämlich: Siehe, ich nehme dir die Lust deiner Augen durch eine Seuche.“ הנני לוקח ממד את מחמד עייניד במגפד (Ezechiel 24, 16). Darauf sagte R. Tauchuma: R. Abahu hat die Minim gut widerlegt (Gen. Rabba, 25).“ Aehnliches wird dort noch gelegentlich eines Religionsgespräches mit einer Matrone berichtet. Man erkennt daraus, dass die Rabbinen nicht ohne Absicht Bedenken trugen, dem Henoch auch nur den gleichen Rang mit Eiiah einzuräumen.* 1) Erst in einer späteren Zeit, als diese Art von Polemik ruhte und vielleicht schon in Vergessenheit gerathen war, schwanden diese Bedenken und einige Rabbinen zählten Henoch zu denjenig*en neun Auserwählten, die lebendig in den Himmel gekommen (Derech Erez suta Ende des ersten Capitels), aber noch räumte man dem Henoch keinen Vorzug vor seinen anderen acht Genossen ein; noch etwas später vindicirte man ihm jedoch die Metamorphose in einen wirklichen Engel unter dem Namen Metatron 2). Juden, ist es selbstverständlich, dass in ihrer Jugend das Bundeszeichen der Beschneidung an ihnen vollzogen worden ist. Dass dasselbe aber auch bei einer anderen Glaubenssecte (מינים) vorausgesetzt wird, lässt sich nur dadurch erklären, dass mit (מינים) die Judenchristen gemeint sind, die bekanntlich in der Beschnei düng lebten. Nur so giebt diese Zusammenstellung einen richtigen Sinn, wobei allerdings bemerkt werden muss, dass der Name מינים später oft auf Christen überhaupt Anwendung fand. 1I DerRaschi zugeschriebene, jedenfalls alte Commentar zum Midrasch Rabba, den auch ידי משה z.St. citirt, hat das Bedenken richtig herausgefühlt (und dabei zugleich an die spätere Identification mit Metatron gedacht): שלא יאמרו המינים שהוא שותף להקב״ה לפי ששמו כשם רבו לפיכך מת. 2) Bemerkenswerth ist jedoch, dass das Targum den Hingang Henochs mit אתנגיד bezeichnet, was nach Analogie von Gen. 25. 8 (ויגוע, אתנגיד)) verscheiden bedeutet (vgl. auch LevyTs Targ. Wb. e. v. נגד, נגיד), das Targum scheint also weniger an ein ״lebend in den Himmel fahren‘1 als vielmehr an ein ״nach dem Tode zum Engel verklärt werden“ zu denken.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.