Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1883
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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13 heimisch.!) Freilich hatten schon die agadischen Stellen im Talmud und Midrasch die Neigung zum Mysticisimus auch bei den Geonim geweckt* 2). Doch hätte dieselbe ohne die erwähnten Pseudoepigraphen wahrscheinlich eine andere Richtung genommen. Was nun das Schiur Koma (die damals aufgekommene mystische Maassbestimmung Gottes) betrifft, so hat Graetz dieses Thema a. a. O. erschöpfend behandelt, dass fast nichts hinzuzufügen bleibt, und ich hier, anstatt bereits Gesagtes zu wiederholen, lieber auf jene Quelle verweise3). 1) Vergleiche טעם זרךוים Seite 56 תשו׳ מן רב האי גאון דל die Worte ובישיבת פורא היו דברים אלה רובם וכר. 2) Siehe z. B. in Scheeltot das R. Achai Gaon zum Abschnitte ״ :עקבArtaban schickte R. Jehuda dem Heiligen eine kostbare Perle mit dem Wunsche, dass er ihm etwas ähnlich Werthvolles dafür senden möchte; da schickte ihm R. Jehuda eine unter dem Namen Mesusa bekannte Pergamentrolle. Wie, meinte Artaban, ich schickte dir eine Sache von unschätzbarem Werthe und du schickst mir dafür eine für weniger als einen Obol zu erlangende Sache? Du schicktest mir, antwortete der Rabbi, eine Sache, die ich hüten muss, und ich schickte dir etwas, was dich behütet, denn so heisst es von der Gotteslehre: Sie ist theurer denn Perlen und alle deine Kostbarkeiten kommen ihr nicht gleich (Prov. 3. 15).“ So weit findet sich doch diese Erzählung auch im jerusal. Talmud Pea Cap. I und in Genesis Rabba Cap. 35. .Nun folgt aber ein Zusatz vom Gaon: ,,Sofort begab sich ein Dämon in das Haus des Artaban und fuhr in dessen einzige Tochter. Als aber Artaban die Mesusa an die Thürpfoste anbrachte, da floh der Dämon. Dem Rabbi verblieb dafür die Perle.“ R. Jesaia Berlin bemerkt hierzu: ״Dieser Zusatz findet sich weder im Talmud noch im Midrasch, allein das Zeugniss des Gaon ist sehr glaubwürdig, (עדותו נאמנה מאד)“. Nun, gewiss hat das Zeugniss des Gaon insofern Glaubwürdigkeit, als derselbe eine solche Lesart irgendwo vorgefunden haben muss, aber man ersieht daraus, dass damals die Zeit gekommen war, in der man sich mit einer derartigen schlichten Erzählung, die zwar eine mystische Färbung hatte, aber doch auch eine symbolische Deutung zuliess (vgl. Jad Hasaka Hilchot Mesusa Cap. 6 § 13 und Kesef Mischnah zu ersterer Stelle, vgl. auch meine Erklärung im nächstfolgenden Abschnitte F. bei Maimonides), durchaus nicht begnügte, sondern sie lieber mit einem dämonologischen Zusatz ausschmückte. 3) Einen Punkt möchte ich jedoch hier als neu anführen, auf den Herr College Dr. Rosin mich gütigst aufmerksam gemacht hat. Zur Zeit des Gaon Saadia scheinen die aufgeklärten Männer es für nöthig gefunden zu haben, auch in den älteren Gebeten gegen jeden Schein von Anthropomorphismus anzukämpfen. Im םמ*נ des R. Moses aus Coucy Gebot 48 wird angeführt, dass R. Saadia in der bekannten ברבה unter dem Trauhimmel אשר יצר את האדם בצלמו בצלם דמות דבניתו ein ויין vor בצלם liest, also ובצלם דמות תבניתו• Rosin meint nun, Saadia habe vermuthlich das ויו von והתקץ gestrichen und es vor בצלם gesetzt. Die Worte אשר יצר את האדם בצלמו seien nämlich in der Schrift begründet (בצלם אלהים ברא אתו) nnd können ebenso wie dort geistig aufgefasst werden; allein die Anhäufung von Bildern in בצלם דמות תבניתו