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Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1883-01-01 · 1883 · page 13

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Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1883
Date
1883-01-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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IRI
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9 Trotz seiner Freisinnigkeit schrieb aber Saadia gegen offenbarungsfeindliche Schriften1) z. B. gegen die des Chivi Albalchi2), der nicht nur sämmtliche Wunder in der heiligen Schrift, sondern auch die Offenbarung leugnete. Was uns bei dem Eifer Saadias hauptsächlich interessirt, ist, zu sehen, wie streng und consequent er Glauben vom Aberglauben auseinander zu halten weiss. Während er den letzten überall rücksichtslos zurückweist, bleibt das Gebiet des Glaubens unangetastet. Es war das sonst weder in alter noch in neuer Zeit immer der Fall. Wir werden Gelegenheit haben, im Abschnitt F. mittelalterliche freisinnige Philosophen kennen zu lernen, welche bei aller Freisinnigkeit von astrologischen Träumereien sich nicht fern hielten und mit denselben sogar viele Schriftstellen :zu erklären suchten, so dass man ihnen mit dem Propheten zurufen kann: ״Was soll das Stroh unter dem Getreide?“ (מה לתבן את הבר). Wieder umgekehrt giebt es solche, die da meinen oder ־wenigstens vorgeben den Glauben zu purificiren, indem sie wirkliche Glaubenssätze über Bord werfen, alt überlieferte religiöse Vor- Schriften, sobald deren Bedeutung ihnen nicht sofort einleuchtet, mit in die Rumpelkammer des Aberglaubens werfen, also, um mit dem deutschen Sprichworte zu reden, das Kind mit dem Bade aus-!) Ich rede hier absichtlich nicht von seinen bekannten Streitschriften gegen die Karäer, die doch jedenfalls nur eine Polemik gegen Schismatiker innerhalb des Offenbarungsglaubens ist, sondern von seinem Auftreten gegen den Unglauben. 2) Graetz GescK Bd. 5, Note 20 (S. 538) weist die Richtigkeit dieser Lesart nach, da die andere Alcalbi (הכלבי) ihm nur von seinen Gegnern, als einem Erzketzer, beigelegt worden ist. Chivi lebte in Balch in Babylonien daher der Name Albalchi. Unter den verschiedenen Einwürfen gegen die Bibel, welche Saadia von Albalchi und Anderen anführt, interessirt uns besonders die 9. über Asasel. והתשיעי, שעיר המשתלח לעזאזל ביום הכפורים כי כבר נדמה לבני אדם שהוא שם שד, ואומר כי עזאזל שם הר כמו שאמר במקום אחר ויקרא שמה יקתאל עד היום וכן יבנאל וירואל וירפאל הכל מקומות Emunoth in. kurz vor dem Schlüsse, in unserer Ausgabe S. 41b, in Eürsts deutscher Uebersetzung S. 253). Der Sinn ist: ״Neuntens finden Einige etwas Ungöttliches in der Aufgabe, einen Bock am Yersöhnungstage dem Asasel zu überschicken, da von vielen Menschen angenommen wird, dass Asasel der Name eines Dämons sei. Mit Recht erwidert nun Saadia, dass Asasel in der That nur der Name eines Berges ist, wie auch in der Schrift Jokteel, Jabneel, Jereel, Jirgeel usw. eigentlich Berge — oder Städtenamen sind. Es stimmt das ganz mit der Erklärung der Rabbinen in der Mischna. (Joma 6. 6) überein, Man sieht aber, wie vorsichtig der Monotheismus sein muss, um nicht missverstanden zu werden. Ygl. Heft 1. meiner Abhandlung S. 63. und Abschnitt F. über Nachm anides.

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