Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1883
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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__8_ schreitungen sind hier gemeint, ein gewisses schrankenloses Sichgehenlassen, und solchem Forschen reden wir auch nicht das Wort. Wir werden weiter unten die Grenzen angeben, innerhalb deren unser Forschen sich bewegen darf“ 1). Was wir uns noch bei Saadia merken müssen, ist Folgendes: Nicht blos ausgesprochenem, krassem Aberglauben, sondern selbst philosophischen oder theosophisch-kosmogonischen Systemen, die ihm nicht einleuchten, oder ihm mit dem wahren Judenthume nicht vereinbar erscheinen, tritt Saadia oft sehr schroff entgegen. So sagt er z. B. in Bezug auf die Schöpfung: ״Es giebt noch eine dritte Ansicht, die in der Behauptung besteht, Gott habe die Körper aus sich selbst geschaffen. Ich habe gefunden, dass solche Menschen den Schöpfer nicht leugnen mochten, dabei konnte aber ihr Verstand nicht begreifen, wie Etwas aus Nichts geschaffen werden sollte, und da nichts Seiendes als eben der Schöpfer war, so kamen sie auf den Glauben, Gott habe die Dinge aus sich selbst heraus geschaffen. Leute einer solchen Anschauung, Gott möge sich Dein erbarmen, sind wahrlich noch thörichter als die Früheren‘‘2). Hiermit überschüttet Saadia also die später bei den Kabbalisten so hochgeschätzte Emanationslehre (סוד האצילות) mit Hohn. Eine Scheu, das offen auszusprechen, oder sagen wir lieber, eine Pietät gegenüber einer altjüdischen Lehre war hier nicht vorhanden, da in der That die Emanationstheorie ebensowenig wie die obenerwähnte Seelenwanderungslehre im alten Judenthum irgendwo vorkommt. Wir erwähnen noch, dass auch Saadias Anschauung über den inneren Werth des Menschen gegenüber der Sphärenwelt Würdigung verdient“3). 1) Emunotli, editio firincefis 7b; Fürst’s Uebersetzung, Leipzig 1845, S. 35 (vgl. Graetz, Geschichte Bd. 5. S, 318). Wir sehen, wie pietätsvoll Saadia mit den alten Rabbinen verfahrt, selbst da, wo er ihnen nicht unbedingt beistimmen kann, und können daraus schliessen, dass er bei Dingen, die er wegwerfend behandelt und einfach als lächerlich zurückweist (wie z. B. bei der Seelenwanderung u. A.) der Ueberzeugung ist, dass sie im talmudischen Schriftthume keinen Halt haben. 2) Emunoth, dieselbe Ausgabe s. 14b: ומצאתי אנשים לא ניתן להם לכחש בעושה ובד, vgl. Fürsts deutsche Uebertragung S. 77. 3) Schon Schmiedl: ״Ueber den Aberglauben in der arabisch-jüdischen Schule‘1, Frankels Monatsschrift, 11. Jahrgang, S. 200, bemerkt, dass die Ansichten Saadias in diesem Punkte etwas höher als die Maimunis standen. Freilich was Saadia über die Stellung des Menschen den Engeln gegenüber behauptet, ist ein streitiger Punkt und mehr agadischer Natur, der schon von Ibn-Esra, Gen. I. I, verworfen wird, doch anders ist es im Verhältnis zu den Himmelskörpern.