Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1883
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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7 Saadias, die Schrift möglichst rationell aufzufassen. Aber nicht nur bei seinen Erklärungen der heiligen Schrift, auch sonst sucht er überall und mit grossem Freimuth Abergläubisches abzuweisen. So sagt er beispielsweise in seiner Einleitung zu Emunoth: ״Wollte nun Jemand einwenden: Wie sollen wir uns durch philosophisches Denken zum wahren Glauben erheben, da doch bekanntlich das Volk solche Forschungen verwirft, ja sogar behauptet, dass diese zur Ketzerei führen? Darauf erwidern wir, dass nicht das Volk, sondern nur die Idioten im Volke solche Meinung von der Philosophie haben, was aber weiter nicht in Betracht kommt. So glaubt der ungebildete Haufe in dieser Stadt, dass wer nach Indien wandert, reich werden müsse, und dass die Mondfinsterniss dadurch entstehe, dass der Drache die Mondscheibe verschlinge; ebenso sagt man den unwissenden Menschen in Arabien nach, dass sie fest daran glauben, wenn man auf dem Grabe eines Verstorbenen verabsäumt dessen Kameel zu schlachten, Jener am Gerichtstage zu Fuss dorthin (zur Gerichtsstätte) abgeholt werden würde, und dergleichen Lächerlichkeiten mehr. Wollte aber Jemand noch einen anderen Ein wand erheben und zwar den, dass sogar die talmudischen Weisen vor der Philosophie warnten, namentlich mit den Worten: Wer sich herausnimmt, vier Dinge in seine Betrachtung zu ziehen, dem wäre besser, er wäre gar nicht geboren und zwar, was oben, was unten, was vor der Schöpfung gewesen und was nach dem Ende der Welt sein wird, (Mischna Chagiga2.1.) u. s. w. so antworten wir: Es ist unmöglich, dass die Weisen wahrhafte Forschungen sollten verboten haben, da ja die heilige Schrift überall solches Forschen empfiehlt; sondern nur gewisse Aus- In der Zeitschrift ״Beth Talmud“ (בית תלמוד) des Herrn Weiss in Wien, Jahrgang ,תרמ״א drittes Heft des Monats תמרו befindet sich ein Aufsatz מאמר העיון von Herrn Kalisch in New York, in welchem treffliche Bemerkungen über Satan und Asasel vorkommen. Wenn dieser Gelehrte aber die Erklärung Saadias, dass unter Satan in Job ein Mensch verstanden werde, lobend hervorhebt, so kann ich dem nicht beistimmen, vielmehr halte ich, wie gesagt, gerade das für einen schwachen Punkt in der Saadjanischen Exegese. Wenn er ferner meint, dass auch Bachia zu dieser Saadjanischen Anschauung hinzuneigen scheint, so habe ich das zwar nicht gefunden, aber wenn dem auch so wäre, so ist von Bachia, der, wie er in seiner Vorrede selbst sagt, sich vorgesetzt hat, die Schrift auf viererlei Weise, exegetisch, agadisch, philosophisch und kabbalistisch, zu erklären und diese verschiedenen Erklärungsweisen, sobald sie von Autoritäten herrühren, oft ganz unvermittelt mit einander verquickt, kein Beweis zu holen.