Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1883
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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5 arabische Schriftsteller irgend einen dunkeln Bericht irrthümlich aufgefasst habe. (שמע מעניבי היהודים כשומע מאחורי הפרגוד ובו׳ ונתבלבל). Schliesslich bemerke ich, dass meine gleich anfangs ausgesprochene Vermuthung, Saadia hätte vielleicht an gar keine bestimmte Secte gedacht, sondern einfach diejenigen, die eine solche Irrlehre behaupten, blosse Namenjuden genannt, nicht schlechtweg zurückzuweisen ist. Wenigstens könnten bei der auch von Schmiedl angeführten Parallelstelle: בי יש אנשים שנקראים יהודים חושבים כי אלה המועדים כלם ואלה הנחמות היו כלם בבית שני ועברו ולא נשאר מהם דבר (Emunoth, Abschn. 8) nicht gut auf die Karäer bezogen werden, die doch die messianischen Verheissungen nicht läugneiD). Dieser Ausspruch Saadias gegen die Seelenwanderung beweist uns auch, dass diese Lehre im älteren rabbinischen Schriftthume noch nicht vorkommt, weil sonst Saadia selbst, wenn er sie bekämpft hätte, eine ganz andere Sprache geführt haben würde. Man vergleiche nur die Pietät, mit der er gewissen ihm nicht einleuchtenden talmudischen Agadot gegenübersteht, wie wir noch sehen werden. Doch würde uns das hier zu weit führen, und so habe ich mir diese Betrachtung für einen besonderen Excurs (Excurs I. Seelenwanderung) am Schlüsse dieses Heftchens Vorbehalten. Ausserdem sucht Saadia viele Stellen in der heiligen Schrift rationell zu erklären. So lehrt er (Emunoth, Abschnitt 2) dass, wenn die Schrift erzählt, die Propheten hätten die Gestalt Gottes gesehen, hierbei eine von Gott ad hoc geschaffene Lichtgestalt gemeint sei, zu dem Zwecke, um die Propheten ihrer Offenbarung zu vergewissern. Ebenso sei die ״Stimme Gottes“ eine zu demselben Zwecke von Gott geschaffene, die Luft durchschneidende und bis an das Ohr des Propheten oder — wie bei der Offenbarung auf Sinai — an das Ohr des Volkes dringende Stimme5). 1) Sonstige schätzenswerthe Bemerkungen Schmiedls über Metempsychose bei den späteren Mystikern und Kabbalisten sollen in den Abschnitten F. und G־. noch verwerthet werden. 2) Die Vorstellung von קול נברא (einer ad hoc erschaffenen Stimme) haben auch spätere jüdische Religionsphilosophen in ihr Offenbarungssystem aufgenommen (vgl. R. Jehuda Halevi im Cusari I. § 89; Maimonides in More Nebuchim II. Cap. 33.) Nach Letzterem hätte das Volk am Sinai nur eine gewaltige Stimme, nicht aber articulirte Laute vernommen, was nur dem Moses Vorbehalten war. Allein jedenfalls scheint Saadia der erste gewesen zu sein, der die Idee von קול נברא zur Darstellung brachte.