Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1883
- Date
- 1883-01-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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2 E. Die Geonim (658—1036). Indem ich nun zum Abschnitte E. übergehe, ist Folgendes vorauszuschicken. Bibel und Talmud mussten möglichst ausfuhrlich behandelt werden, weil in denselben die Wurzeln der Anschauung späterer Perioden liegen, jetzt können wir einerseits zwar etwas gedrängter zu Werke gehen, namentlich da, wo in den früheren Abschnitten bei Erklärung vieler Stellen aus Bibel und Talmud schon Manches aus späterer Zeit anticipirt worden ist Dagegen werden uns andererseits aus vielen Aussprüchen der Geonim manche Rückschlüsse auch auf die vorhergehenden Perioden (also auf die biblische und talmudische Zeit) gestattet sein, namentlich werden wir solche retrospective Betrachtungen in einigen Excursen am Schlüsse dieses Heftes niederlegen. Die geistige Thätigkeit der Geonim ging auf demselben Schauplatze vor sich, auf dem die Lehrer des babylonischen Talmuds wirkten, nämlich in Babylonieü und Neupersien. Aber es hatte inzwischen eine grosse Veränderung stattgefunden. Die Araber waren Herren des Landes geworden und unter diesen blühten die Wissenschaften auf, die ihren Einfluss auch auf die jüdischen Gelehrten auszuüben nicht verfehlten. Nicht blos solche Geonim, die in eigener Person die Wissenschaft cultivirten, durch literarische Erzeugnisse auf diesem Gebiete sich hervorthaten und der Philosophie zugethan waren, kämpften gegen den Aberglauben, sondern selbst solche, die der Orthodoxie huldigend, den profanen Wissenschaften keine Sympathie entgegenbrachten, hatten (mit wenigen Ausnahmen) doch bereits die Unbefangenheit und Naivetät früherer Jahrhunderte wenigstens in so weit verloren, dass sie die allzu mystisch gefärbten talmudischen Stellen durch Interpretationen einleuchtender und dem gesunden Menschenverstände zugänglicher zu machen suchten. Zu den Ersteren gehörte vorzüglich der berühmte Gaon Saadia (geb. 892 gest. 942!), der in seinen nur theilweise uns erhalten gebliebenen Schriften sich ein ewiges Denkmal gesetzt hat. Die berühmtesten derselben sind: 1. seine in arabischer Schrift und i) Im ersten Hefte S. 46 (über Saadia) muss ein lapsus calami berichtigt werden, auf den mich Hr. S. H. Halberstamm aus Bielitz gütigst aufmerksam macht. Statt 928—970 lies: 892—942.