Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1882
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 61)
- Language
- German
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57 verschiedene Erklärungen zulassen, glaubt R. Sera zwei andere Sätze herleiten zu können. In dem ersten Satze kommen die Worte vor: ״Man berechnete die Conjunction“ und als Zweck wird für beide Sätze ״zur Controle der Zeugen“ angegeben. Man ersieht auch hieraus jedenfalls soviel, dass die Berechnung mehr und mehr hervortritt, bis nach mehrfachen Versuchen, auf die wir noch zurückkommen, der jetzige constante jüdische Kalender eingeführt wurde. Dass zur Berechnung der die Zeitrechnung bestimmenden Elemente astronomische Kenntnisse nothwendig. sind, versteht sich von selbst. Und in der That ist diese Wissenschaft von den hervorragenden Schülern des R. Juda ha Nassi gepflegt worden, wie aus einigen der von ihnen hinterlassenen Aussprüche zu ersehen ist. Aber die Nothwendigkeit, diese Ermahnungen ihren Glaubensgenossen vorzuhalten, scheint gerade auf eine Abnahme derStudiennach dieser Richtung hin schliessen zu lassen, was um so bedauerlicher war, als eben damals immer mehr an den Gerichtshof die Nothwendigkeit herantrat, eine astronomische Berechnung des Mondlaufes vorzunehmen und dem Bedürfnisse, der Diaspora einen festen Kalender zu geben, abzuhelfen. So wird z. B. von Bar-Kappara der Vers Jesajas 5, 12. auf denjenigen gedeutet, der zwar befähigt ist, die Aequinoctien und Solstitien und den Ort der Fixsterne zu berechnen, sich aber dennoch mit dieser Wissenschaft nicht beschäftigt R. Jochanan bezeichet dieses Studium als eine religiöse Pflicht, wofür er in Deuteronomium 4, 6. eine Stütze finden will. Der allmälige Uebergang zur Bestimmung eineis festen Kalenders. Wie oben S. 55 bereits bemerkt, begann schon zur Zeit des R. Juda ha Nassi der Werth des Zeugenverhörs gegen die Berechnung des Monatsanfanges zurückzutreten. Nach dem Tode des R. Juda ha Nassi wurde in Babylonien eine sichere Festordnung immer dringender gefordert. Man hätte sich nun der mathematischen Berechnung der Sichtbarkeit der Mondsichel ganz zugewendet, wenn man die Ueberzeugung gewonnen hätte, dass die Berechnung, wenn sie in aller Hände gelegt würde, immer mit dem in Jerusalern bestimmten Monatsanfang übereinstimmen werde. Als jedoch Mar Samuel, der die Schwierigkeiten und Mühseligkeiten der Zeugnissaufnahme und der Botensendung bei der Monatsbestimmung,