Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1882
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 59)
- Language
- German
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55 bemerkt die Gemara 1), dass einst der 14. Nissan auf einen Sabbat traf, und die Bne-Betera (die Vorsitzenden des Synhedrions) nicht wussten, wie man sich in Betreff des Schlachtens des Pessachopfers zu verhalten habe. Hillel I. wusste darüber Auskunft zu ertheilen. Im jerusal. Talmud 2) wirft R. Abin die Frage auf: Wie konnten die Bne-Betera diese Verordnung vergessen haben, da doch alle 14 Jahre einmal der 14. Nissan am Sabbat treffen muss? Hieraus geht hervor, dass schon vor der Zerstörung des zweiten Tempels eine Berechnung, wie es scheint nach Perioden, die mit der Zahl ״Sieben“ Zusammenhängen, stattgefunden und dass man bei der Zeugenaussage auf dieselbe Rücksicht genommen habe. Denn wenn die Zeugenaussagen allein massgebend gewesen wären, so muss keineswegs alle 14 Jahre der 14. Nissan auf einen Sabbat treffen. Das Unsichere und Unbequeme allmonatlicher Beobachtung wurde im Laufe der Zeit immer mehr einleuchtend und durch diese Erkenntniss die Zeugenaussage immer mehr gegen die Berechnung zurückgedrängt, bis dann in auffallender Weise zur Zeit des R. Juda ha Nassi, des Redacteurs der Mischna, von diesem selbst das Institut der Zeugenaussage in den Hintergrund gedrängt und der Berechnung der Vorrang gegeben wurde. So theilt die jerusalemische Gemara 3) mit, dass R. Juda ha Nassi einen Mörder als Neumondszeugen zuliess, ferner dass er einen Mann, der nicht selbst den Neumond gesehen, sondern von einem Andern, der ihn gesehen, das Zeugniss gehört hatte, als gütigen Zeugen annahm4); ferner, dass die Boten schon am Abend vor Schluss der Verhandlung Weggehen durften, in der Voraussetzung, dass morgen die Heiligung des neuen Monats stattfinden werde. Die baby- Ionische Gemara 5) theilt mit, dass R. Chija einst den alten Mond am 29. des Monats gesehen habe und darüber in Aufregung gerathen sei, weil dieser Monat der Berechnung nach hätte mangelhaft werden müssen, der Neumond aber, wenn der alte Mond noch sichtbar war, nach Sonnenuntergang desselben Tages natürlich nicht gesehen werden konnte. Da sagte R. Juda ha Nassi zu R. Chija: gehe nach En-tab, dem Sitze eines Gerichtshofes, heüige den morgenden Tag zum ersten des neuen Monats und schicke mir!) Pessachim 66 a. 2) Pessachim VI, 1. und Sabbat XIX, 1. 3) Rosch haschana II, 1. 4) der Jerus. Talmud Scliebiit X, 2. berichtet im Namen des R. Jochanan, dass man es mit den Neumondszeugen nicht sehr genau nahm. 5) Rosch haschana 25 a.