Mannheim
Compact Memory

Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung · 1882-01-01 · 1882 · page 40

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
Volume
1882
Date
1882-01-01
Page
– (sequence 40)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2720904-2720949--39-2723656
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

36 Als sich der Tag zum Ende neigte, kam Jemand und berichtete: ״Morgen ist der Versöhnungstag in Jerusalem“: worauf R. Nachman ihn fragte, woher er sei. An die Antwort knüpfte er ein witziges unübersetzbares Wortspiel des Inhalts, dass der unberufene Bote an seinem Tode Schuld tragen werde, da er nun zwei Tage und zwei Nächte werde fasten müssen. Abweichend hiervon referirt der jerusalemische Talmud1), dass man in Babylonien des Zweifels wegen den Versöhnungstag doppelt zu feiern pflege. Dasselbe berichtet der jerusalemische Talmud2) von den Einwohnern der Stadt Nimrin. In beiden Stellen äussert R. Chisda sein Missfallen über diese Praxis, indem er sagt: Wozu quält Ihr Euch mit solchem Zweifel? Es ist doch wohl anzunehmen, dass der Gerichtshof in einem solchen Falle, d. h. wenn er den Monat Elul für vollzählig erklärt und dadurch den Eintritt des Versöhnungsfestes um einen Tag verschoben hätte, Massregeln getroffen hätte, um Euch schleunigst dieses ungewöhnliche Ereigniss mitzutheilen. An der ersten Stelle wird mitgetheilt, dass der Sohn des Vaters des R. Samuel bar Jizchak (d. i. aber R. Samuel), an der zweiten Stelle, dass der Vater des R. Samuel bar Jizchak (d. i. R. Jizchak) zwei Tage am Versöhnungstage gefastet habe, krank geworden und gestorben sei3). In der babylonischen Gemara^) giebt R. Schischi breh de R. Idi an, dass, wenn Jemand zweifelt, ob der Monat Elul eine Länge von 29 oder 30 Tagen erhalten habe, er den Versöhnungstag zwei Tage lang halten müsse — ein Ausspruch, der, wie die Tosafot zur Stelle bemerken, sich nicht auf Babylonien beziehen kann, weil dort des Zweifels wegen nicht zwei Tage lang gefastet wurde, sondern auf Palästina, und zwar auf einen Ort etwa in der Nähe der Wüste, wo man nichts Gewisses über die Monatslänge erfahren konnte. Es ergiebt sich aus alledem, dass die Ortsgemeinden, zu denen die Boten nicht bis Mitte Nissan oder Tischri, oder überhaupt nicht, gelangen konnten, alle Festtage, mit Ausnahme des Versöhnungstages, zwei Tage lang feiern mussten, weil bei ihnen immer der Zweifel herrschte, ob der 30. oder 31. zum ersten des neuen Monats erklärt worden sei. Eine weitere Folge ist, dass alle Orte, welche die Boten für Tischri bis zur Mitte ג) Challa I, 1. 2) Rosch haschana I, 4. 3) Siehe über diese sonderbare Namens• bezeichnung Frankel Mebo hajerushalmi S. 126. 4) Pessacliim 54 b.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.