Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1882
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 29)
- Language
- German
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25 und verlangte vom Gerichtshöfe, dass er diesen Tag als den Neumondstag heilige. Da sagte R. Gamaliel: ich habe eine Tradition aus dem Lehrhause meines Grossvaters, die Erneuerung des Mondes erfolge nicht vor Ablauf von 2 91/2 Tagen, 2/3 Stunden und 73 Theilen1). Um dem Volke zu zeigen, dass der Gerichtshof diesen Tag als Neumondstag nicht geheiligt habe, hielt er eine Leichenrede bei einer an diesem Tage zu Grabe getragenen unbedeutenden Frau, während doch eine Leichenrede am Neumondstage nicht gehalten werden darf. Noch einige mögliche Zeugenaussagen werden mitgetheilt2). Wenn der eine Zeuge sagt: Ich habe den Mond zwei Peitschenlängen hoch über dem Horizonte gesehen, und der andere aussagt, er habe ihn drei Peitschenlängen hoch gesehen, so ist das Zeugniss giltig. Sagt aber der eine, er habe ihn drei, der andere, er habe ihn fünf Peitschenlängen hoch gesehen, so ist das gemeinsame Zeugniss zwar ungiltig, nichtsdestoweniger vereinigt man einen von ihnen mit einem andern gleich aussagenden Zeugen, oder mit einem Zeugen, dessen Aussage nur um eine Peitschenlänge differirt, für den in Frage stehenden Monat. Ferner: Wenn ein Zeugenpaar aussagt: wir haben die Mondsichel im Fluss oder durch ein Glas oder in den Wolken gesehen, so gilt ein solches Zeugniss nicht. Auch wenn sie sagen: wir haben ihn halb im Wasser halb am Himmel, oder halb durch ein Glas halb am Himmel, oder halb in den Wolken halb am Himmel gesehen, so ist das Zeugniss ungiltig. Sagen die Zeugen: Wir haben den Mond gesehen, ohne unsere Gedanken darauf gerichtet zu haben, dass wir ein Zeugniss darüber vor dem Gerichtshof ablegen wollen, und als wir unsere Gedanken darauf richten wollten, haben wir ihn nicht mehr gesehen, so kann das als vollgiltige Zeugenaussage nicht angesehen, werden, weil sie früher vielleicht nur durch ein Wolkengebilde getäuscht worden sind, da sie ja ihrer eigenen Aussag־e nach auf die Beobachtung nicht sehr geachtet haben. Nachdem das Zeugenverhör beendet, ging der Gerichtshof an die Heiligung des neuen Monats. i) Einige Forscher wie David Gans und Luzzatto meinen, dass 73״ Theile“ eine spätere Glosse sei. Slonimski (Bet Talmud, 1. Jahrgang, S. 254) ist der Meinung, dass ursprünglich nur von 29״ Tagen“ die Rede gewesen sei. 2) Rosch haschana 24 a, jeras. Talmud Rosch haschana II, 5.