Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1882
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2720904-2720949--25-2723642- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Rashi 1× ep/1002670
OCR text
22 lieb, nicht sowohl um ein ernstliches Verhör mit ihnen anzustellen, als vielmehr um ihren Unmuth nicht aufkommen zu lassen und um sie anzuregen, demnächst wieder zu kommen, sobald sie Zeugniss über den Neumond abzulegen hätten. Der Gemara1) sind die beiden ersten Fragen der Mischna, die an die Zeugen gerichtet wurden, nämlich: ״Hast du den Mond vor oder nach der Sonne, nördlich oder südlich von ihr gesehen?“ identisch. Danach wäre ״vor der Sonne“ dasselbe wie nördlich, ״nach der Sonne“ dasselbe wie südlich von ihr. Darum sagt Abaji: ״vor der Sonne“ heisst, dass die Mondsichel mit ihren Spitzen der Sonne zugewendet, ״nach der Sonne“ dass die Spitzen von der Sonne abgewendet seien. Hiermit stimmt auch folgender Passus der Mischna überein: Wenn der Zeuge sagte, er habe den Mond vor der Sonne, [d. h. er habe ihn so gesehen, dass die Hörner der Mondsichel der Sonne zugewendet gewesen seien,] so war sein Zeugniss ungiltig, weil die Hörner der Mondsichel niemals der Sonne zugewendet sein können. Ferner wird auf den Widerspruch zwischen einem Ausspruche der Gemara2) und der Tosefta3) hingewiesen4). Wir lesen nämlich in der Gemara: Hat der Zeuge gesagt: ich habe den Mond nördlich von der Sonne gesehen, so ist das Zeugniss giltig; sagt er aber: ich habe ihn südlich von der Sonne gesehen, so ist das Zeugniss ungiltig. Die Tosefta dagegen trifft die Ent- Scheidung umgekehrt. Der offenbare Widerspruch wird dadurch gelöst, dass die beiden Aussprüche auf verschiedene Jahreszeiten bezogen werden, der erstere nämlich auf die Regenzeit, der letztere auf die Sommerzeit. Raschi zur Stelle erklärt nach der Anschauung des Talmuds über die Bewegung der Sonne und des Mondes des Näheren die Lösung dieses Widerspruchs5). Die Mischna 6) berichtet weiter, dass R. Gamaliel Abbildungen der Mondsichel auf einer Tafel und auch an der Wand in seinem Zimmer hatte. Auf diese Figuren wies er die Unkundigen hin und fragte sie: Habt Ihr ihn so oder so gesehen? Auch wird dort über einige Thatsachen, die beim Zeugenverhör vorgekommen, Näheres mitgetheilt. Einst kamen zwei Zeugen und sagten: Wir haben den Mond am Morgen im Osten ב) Rösch haschana 23 b, jeras. Talmud Rösch haschana II, 4. 2) Rosch haschana 24 a. 3) Tosefta Rosch haschana cap. 1. 4) Rosch haschana 24 a. 5) Jerus. Talmud Rosch haschana II, 5. 6) Rosch haschana II, 8. 9,