Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1882
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
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20 That verfuhr ihr Genosse nach dem ihm ertheilten Aufträge. Als der andere Zeuge auftrat und ihm die Frage vorgelegt wurde: Wo hast Du den Mond gesehen? antwortete er: Ich tiat auf eine Anhöhe und sah, dass der Mond zwischen zwei Felsen sich lagerte, sein Kopf war dem eines Kalbes gleich, seine Ohren glichen denen eines Ziegenbocks, seine Hörner denen eines Hirsches, den Schwanz trug er zwischen seinen Hüften, ich blickte ihn an, erschrak und fiel rücklings nieder. Wenn Ihr mir nicht Glauben schenkt, hier sind 200 Sus in meinem Sacktuche eingewickelt. Der Gerichtshof fragte ihn: wer hat Dich zu dieser That verleitet? Er erwiderte: Ich habe erfahren, dass die Boethusäer den Gerichtshof täuschen wollten. Da sagte ich mir, ich will mich als Zeuge miethen lassen und werde die Sachlage dem Gerichtshöfe mittheilen; denn ich fürchtete, dass schlechte Menschen sich bei ihnen melden und den Gerichtshof irre führen könnten. Der Gerichtshof entschied: Behalte die 200 Sus für Dich zum Geschenke, und der, der Dich gemiethet hat, werde bestraft. Nach diesem Ereignisse wurde die in der Mischna angegebene Einrichtung getroffen, dass nur von gekannten Personen Zeugniss über den Neumond angenommen werde. Raschi in seinem Commentar zur Stelle bemerkt1), dass die Boethusäer folgendes Interesse an einer Täuschung des Gerichtshofes hatten. Nach ihrer Deutung des Verses Leviticus 23, 11. lag ihnen daran, zu bewirken, dass der erste Nissan auf einen Sabbat treffe, damit der 15. Nissan, der erste Tag des Pessachfestes, ebenfalls ein Sabbat sei, und der zweite Tag des Pessachfestes, der Tag der Omerwende, und folglich auch das Wochenfest auf einen Sonntag falle. Nun fiel damals der 29. Adar auf einen Freitag. Die Mondsichel war aber an diesem Tage bald nach Sonnenuntergang nicht sichtbar. Sie wünschten aber, dass der morgende Sabbat, der 30. Adar, zum ersten Nissan geheiligt werde, damit die Feste in ihrem Sinne einträfen. Deshalb veranstalteten sie diesen Betrug. Ueber die Glaubwürdigkeit von Verwandten als Neumondszeugen sind die Meinungen getheilt 2). Wenn Vater und Sohn die Mondsichel gesehen, so müssen sie sich zum Gerichtshof behufs Zeugnissablegung begeben, nicht weil sie als ein Zeugenpaar angesehen werden, sondern damit, selbst wenn einer von l) Vergl. jerus.Talmud Rösch liaschana II, 1. 2) Mischna Rosch haschana I, 7.