Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1882
- Date
- 1882-01-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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4 Monat von 30 Tagen ״m’übbar“ und der mangelhafte Monat von 29 Tagen ״chasser“ mögen auch von altersher bekannt gewesen sein, da die Mischna diese Ausdrücke ohne weitere Erklärung anwendet. Ueber die Art der Bestimmung der übrigen Grössen, welche der Zeitrechnung angehören, nämlich der Monats- und Jahreslängen, über die Weise, wie der Anfang derselben den Gemeinden ausserhalb Jerusalems angezeigt wurde, über die Grundsätze bezüglich der Einschaltung eines Monats im Jahre herrschen jedoch im Talmud mannigfache Meinungsverschiedenheiten, deren Darlegung den wesentlichen Inhalt der folgenden Abhandlung bilden wird. Die verschiedenen Angaben über die Vorgänge bei jenen Be- Stimmungen und die factischen Mittheilungen über dahin gehörige Vorkommnisse, die wir nunmehr im Einzelnen zu untersuchen haben, geben ein treues historisches Bild von der Entwickelung* der jüdischen Zeitrechnung, welches zugleich zu einem interessanten Spiegelbilde des damaligen Culturzustandes der Nation wird, weil, wie bereits angedeutet, die Zeitrechnung ein integrirendes Moment eben so sehr ihres religiösen als ihres bürgerlichen Lebens gewesen ist. In den Talmudstellen, die über diesen Gegenstand handeln, ist die Darstellung mit den verschiedenartigsten Religionsgesetzen derartig organisch verbunden, dass aus der Erörterung hierüber das rein Theoretische der Zeitrechnung gewissermassen erst losgelöst werden muss. Treten nun im Talmud verschiedene Meinungen über ein und dasselbe Verfahren bei der Zeitbestimmung hervor, so deutet dieser Umstand darauf hin, dass die Träger derselben wahrscheinlich weder Augenzeugen des Verfahrens waren, noch die Gelegenheit einer genaueren Erkundigung über den fraglichen Punkt benutzen konnten, sondern dass dieser Gegenstand rein theoretisch behandelt und in verschiedenen Traditionen übermittelt wurde. Aus dem im Talmud niedergelegten Material hat sich eine ganze Literatur gebildet, die die altjüdische und die jetzt übliche jüdische Zeitrechnung behandelt. Und zwar wird die dem Sachkundigen geläufige halachische Manier zur Entscheidung der Frage, welche der Meinungen zur massgebenden zu machen sei, angewendet. Steinschneider hat in Ersch’ und Grubers Encyclopädie (II. Section 27. Theil. S. 435 ff. und 466) die hebräische Literatur hierüber zusammengestellt. Hierzu treten noch verschiedene später erschienene werthvolle Abhandlungen und Aufsätze von Steinschneider, Slonimski, Pineles und Schwarz.