Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Journal
- Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenckel'scher Stiftung
- Volume
- 1881
- Date
- 1881-01-01
- Page
- – (sequence 108)
- Language
- German
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105 hingegen verliert er allen Muth und das Unternehmen kann gerade dadurch scheitern. Aehnlich ist es in Krankheitsfällen, namentlieh bei solchen, deren Heilung durch geduldiges Ausharren und ungebeugten Muth gefördert wird. Mit Recht bemerkt daher Raba, dass diese Regel כל החלומות הולכין אחר הפה nur dann Geltung habe, wenn der Traumdeuter geschickt genug ist, die Deutung dem Traume recht anpassend zu machen, indem nur dadurch die Richtigkeit der Deutung plausibel wird und Vertrauen erweckt1). — Was sonst der Talmud noch über תענית חלום und הטבת חלים lehrt, das wird in den Abschnitten F. und G. genau besprochen werden2). Es erübrigt mir noch, von solchen Talmud- oder Midraschstellen zu sprechen, die einen ganz mystischen Anstrich haben, in Wirklichkeit aber rein symbolischer Natur sind und ganz natürliehe Grundlage haben. Doch würde mich das hier zu weit führen, da die Zeit zum Abschlüsse dieses ersten Heftes drängt3). Ich behalte mir daher vor, im zweiten Hefte einen Nachtrag zu Abschnitt D. zu bringen, der eben diese Materie behandeln soll. Resumiren wir jetzt zum Schlüsse kurz dasjenige, was den Einfluss der Perser auf Sitten und Gewohnheiten der Juden betrifft. x) 'אמר רבא והוא דמפשר לי' מעין חלמי• 2) AVer näher eingehende Studien über das Wesen des Traumes und über orientalische Traumdeutungen zu machen wünscht, der lese 1) das Traumleben und seine Deutung, nach den Principien der Araber, Perser, Griechen, Inder und Aegyptier von Dr. E. R. Pfaff, Leipzig 1868. 2) Das Walten von Wahrheit und Wahn, Traumleben, Träume der Blinden von Friedrich Scherer in Coburg (schon im Alter von 2 Jahren erblindet. Datujn des Erscheinens dieses Buches fehlt). 3) Die Oneirologie im Talmud oder der Traum in der Bibel nach Auffassung des Talmuds von Dr. Wolffsohn, Breslau, 1874. 4) Das Traumleben, Vortrag von Prof. Dr. Max Leidesdorf, Wien, 1880. s) Eine allgemeine Bemerkung trage ich hier noch nach. Wenn in dieser Abhandlung mehrere Male von freisinnigen und rationellen Commentatoren, resp. Religionsphilosophen (wie z. B. Maimonides u. A.) gesprochen wird, so ist das nicht nach der modernen Schablone, sowohl in der christlichen wie in der jüdischen Theologie, zu nehmen, nach welcher Rationalisten den Supernaturalisten oder Orthodoxen gegenübergestellt werden. Vielmehr sind die unter den älteren Religionsphilosophen mit dem Epitheton «rationell» oder «freisinnig» Bezeichneten in der Regel ebenso offenbarungsgläubig oder, wenn man lieber will, eben so orthodox wie die übrigen. Sie unterscheiden sich nur darin, dass die ersteren in ihrer religiösen Auffassung mehr schlicht und nüchtern, die anderen mehr dem Mysticismus, bisweilen der Superstition zugeneigt waren. So selbstverständlich das für den Kundigen auch ist, so mag diese Bemerkung doch für manchen Leser nöthig sein.